Februar, kalt, trüb, Eis überall, wenig Veranstaltungen. Es bleibt der Fernsehabend in einer Welt, die sich immer schneller in einer Abwärtsspirale befindet und uns aufs Gemüt schlägt. Da fiel mir in unserer Stadtbibliothek „Maxe Baumann“ in die Hände. Ostalgie pur! Ein Lustspiel des DDR Fernsehens von 1976 – 1987. Und spürbar stieg meine Laune. Ich will davon erzählen.
Das Gehirn in seinem dunklen Kasten namens Schädel
Unser Gehirn sieht nichts, es hört nichts, es riecht nichts. Es sitzt in seinem dunklen Schädel und ist angewiesen auf Sinnesreize, die wir ihm bieten. Daraus formt es seine „Welt“ und damit seine Wahrheit. Das hat nichts mit Erde, mit Objektivität oder mit Realität zu tun. Ein jeder sieht die „Welt“ nämlich anders. Durch seine Filter, Erfahrungen, Denk- und Gefühlsmuster. Wer sich minimal mit Gehirnforschung beschäftigt, hat von diesen Dingen schon mal gehört.
Nun sind es also wir selbst, die entscheiden, mit was wir unser Gehirn füttern. Welche Reize und Eindrücke wir hinein lassen – und ganz besonders: Welche nicht! Eine Freundin hatte neulich diese sehr treffende Weisheit im Status:

Ich selber habe beherzt 2010 meinen Fernseher rausgeschmissen. Zeitungen kaufe ich nicht und habe keine Abos. Nur deswegen gibt es überhaupt die Insider, denn ich konsumiere nicht mehr, ich erschaffe. Und deswegen sind die Insider wie sie sind, denn ich denke und lese, schaue und interessiere mich für das, was ich aus mir selbst heraus will – und nicht das, was jemand anderes mir vorsetzt. Es ist eine andere Art des Seins, die jedem offen steht.
Aber was ist nun mit Maxe Baumann?
Serien, Helden, Lernen am Modell
Der Effekt dürfte vielen bekannt sein: Es gibt eine Serie, der Opener (Folge 1) fängt einen ein, man geht eine emotionale Bindung mit den Figuren ein und will wissen, wie es weiter geht. Man googelt vielleicht quer, wie die im echten Leben heißen, ihre Geburtsdaten, ihren Lebenslauf, den Beziehungsstatus. Man wird Fan. Und man „suchtet“ seine Serie dann in jeder freien Minute. Das ist heute eine Industrie, die genau diese Effekte erzielen will und gleichzeitig den passenden Merchandise bietet. Alle Streamingplattformen sind quasi voll davon.
Und ganz nebenbei bietet die Serie auch gleich noch „Lernen am Modell“.
Wir hocken also passiv vor der Flimmerstunde und lernen, wie Konflikte gelöst werden, was lustig ist oder nicht, was eine Gesellschaft erlaubt und was als unverzeihlich gilt. Wir werden moralisch, ethisch geprägt. Das passiert vor allem unbewusst.
Wenn man bedenkt, dass Kinder bis zum 10. Lebensjahr bereits 8.000 Morde gesehen haben, ahnen wir, wie VORSICHTIG man mit dieser Prägung durch das Fernsehen umgehen sollte und vor allem, wie bewusst. Zum Bericht.

Ein zweites Beispiel: 2013 gab es den Fotografen Gabriele Galimberti. Er portraitierte 18 Monate lang Kinder rund um den Globus mit dem wertvollsten, was sie besaßen – ihrem Spielzeug. Dabei fiel Erstens auf, dass Kinder aus reicheren Ländern länger brauchten, um den Fotograf mitspielen zu lassen. Und Zweitens war das Spielzeug in jedem Land eine Reflektion der Lebenswelt und des Alltags des Kindes. Zur Bilderserie. Man gerät ins grübeln bei all den Waffen, dem Plasteschnulli, dem Merch der Unterhaltungsindustrie. Wer hat diese Kinder geprägt? Ist es wirklich nur eigene innere Passion und Vorliebe oder ein äußerer Einfluss?
Und: Wer prägt uns Erwachsene?
Die Maxe Baumann Therapie
Prägung funktioniert auch „rückwärts“ mit alten Filmen, alter Musik, alten Serien. Es braucht 1, 2 Folgen und schon ist man in einem anderen Lebensgefühl. Wer zurück in die DDR reist, kommt in einer völlig anderen Art des Seins raus. Der von ca. 16 Millionen Menschen. Ich weiß noch, wie wir in den 90ern ratlos vor „Samstag Nacht“ saßen und den rheinischen Humor schlicht wenig lustig fanden.
Rückverbindung
Hiermit will ich eine Rückverbindung an ein ehemaliges „Normal“ anbieten!
Lustig ist Maxe Baumann. Und lieb!
Helfen, unterstützen, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt steht im Vordergrund. Konflikte gibt es, Meinungsverschiedenheiten auch. Aber es würde nie jemand ein Messer ziehen oder eine Flasche zerschlagen, um damit auf einen anderen loszugehen, wie wir das heute ständig hören müssen.
Familie ist ein hohes Gut. Von Opa bis Urenkelchen gehören alle dazu. Inklusive Verflossene mit ihren Neuen, deren Eltern und neue Liebschaften. Beziehungen werden auch nicht ständig weggeworfen, sondern die Eigenheiten des Partners akzeptiert und fröhlich auf die Schippe genommen, jedoch niemals böse.
Es gibt noch Lust! Nicht übermächtig und vordergründig, nicht Porno, nicht gewalttätig, nicht dominierend. Sondern frech, frivol, in Andeutungen, ja befreit zu allem, was wir knapp 50 Jahre später präsentiert bekommen.
Der friedliche Umgang miteinander, selbst in Konfliksituationen. Das versöhnen wollen, sich herzen, trösten, umarmen. Überhaupt Gefühle von anderen verstehen. Sich nie wirklich entzweien wollen, keine Spaltung, niemals! Das ist gegenwärtig gar nicht mehr vorstellbar.
Und so könnte ich noch viele Aspekte finden, die sich lohnen, diese filmische Zeitreise zu unternehmen in eine Zeit, die so erfrischend und positiv anders war. Und ja, genauso war es wirklich. Vielleicht wollen nicht nur ü40igs zurück in diese „Welt“, die dem Gehirn und dem ganzen Gefühlskörper so gut tut in unseren fragwürdigen Zeiten. Vielleicht schließen sich auch u40zigs bei dem Abenteuer in eine „Welt“, die heute wie vom anderen Stern wirkt.
Vor allem geht es an keiner Stelle um Kriegsgeschrei, Feindbilder in Ost oder West auf dem Erdball, Gewalttaten die an der Tagesordnung scheinen, wirtschaftliche Ängste, Kriegsangst, Verrohung der Gesellschaft, sinkendes Bildungsniveau, Zukunftsängste, Rechtsstreite, Ellenbogengesellschaft, den Sumpf von Greultaten der gerade ausgehoben wird. Kranker Schönheitskult und KI-Fakes oder Spaltung der Gesellschaft. Kurz: Nichts von alle dem, mit dem medial unsere Gehirne den ganzen Tag beschäftigt werden. Wer die Atempause fürs Oberstübchen und die Gefühlswelt erlebt, die Maxe Baumann verschafft, versteht nicht nur, was täglich mit uns medial gemacht wird. Er lernt auch aktiv für sich zu sorgen und künftig auf sein inneres Wohl aufzupassen.
Ob wir mittun beim Wahnsinn da draußen, der uns täglich vorgesetzt wird oder wohin wir innerlich abbiegen, ist doch ganz uns selbst überlassen. Man wird das Gefühl nicht los, wir seien irgendwo auf dem Zeitstrahl falsch abgebogen. Wieso also nicht zurück gehen und es nochmals anders versuchen? Auf einen kollektiven Versuch zurück zur Menschlichkeit und Freude käme es an! Max Baumann ist das „Fortbewegungsmittel“ dorthin. Das DDR Fernsehen hat uns hier weit mehr hinterlassen, als ein Lustspiel.
Bezugsquellen
1.Amazon, die komplette Serie hier.

2. Stadtbibliothek Görlitz.
3. Youtube, Folge 1 bis 7 plus Bonus Film. Ob es online bleibt, weiß man immer nicht.
Die Helden der Serie
Hier noch ein paar Eckdaten für Serien-Groupis. Es handelt sich dabei um die Crème de la Crème des DDR-Schauspiels, wie DDR Bürger sofort feststellen können:
Opa Maxe Baumann. Zentrale Figur. Hat die Familie im Giff und löst alle Angelegheiten. Naja, fast. Meist hilft das Schicksal glücklich. Schauspieler: Gerd E. Schäfer, *1923 – 2001. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 53 Jahre alt. Starb im Alter von 78 Jahren einem Krebsleiden.

Seine treue Frau Hertha. Sie biegt meist mit Engelsgeduld und weiblicher Weitsicht gerade, in was sich Maxe manövriert hat. Schauspielerin: Traute Sense, *1920 – 1997. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 56 Jahre alt. Starb im Alter von 77 Jahren.
Sohn Horst, etwas unselbstständig und unter der theatralischen Fittich von Gattin Walli. Schauspieler: Heinz Behrens, *1932 – 2022. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 44 Jahre alt. Starb im Alter 89. Geburtstag an den Folgen einer Lungenentzündung.
Schwiegertochter Waltraut, genannt Walli. Gattin von Sohn Horst. Schauspielerin: Margot Ebert, *1926 – 2009. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also (flotte) 50 Jahre alt. Starb im Alter von 83 Jahren durch Suizid.

Erna Mischke, Maxes Kollegin und seit Maxes Rente auf seinem Posten in der Firma. Schauspielerin: Helga Hahnemann, *1937 – 1991. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 39. 1991 starb Helga Hahnemann mit 54 Jahren an Lungenkrebs.
Ferdinand Holz, Ernas Gatte im Verlauf der Serie. Der Vater von Monika, der ersten Liebe von Jens, dem Enkel von Max Baumann (und Sohn von Horst und Walli). In einer Doppelrolle spielt er auch den Zwillingsbruder von Ferdinant, Fridolin Holz. Schauspieler: Rolf Herricht, *1927 – 1981. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 49. Rolf Herricht starb mit nur 53 Jahren während einer Aufführung an einem Herzinfarkt.

Jens Baumann, Enkel von Max & Hertha und Sohn von Horst & Walli. Zunächst lieert mit Monika, späte rmit Constanze. Schauspieler: Michael Pan, *1952. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 24 Jahre alt.
Monika Holz, Jens erste Liebe und Krankenschwester. Hat immer wieder gut zu tun in der Serie. Tochter von Ferdinand Holz. Schauspielerin: Birgit Edenharter, *1953. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 23 Jahre alt.
Ewald Mildenhauer, Maxes Gartennachbar. In der Serie spricht er so ein herrliches schlesisch-görlitzerisch!!! Schauspieler: Siegfried Seibt, *1920 in Görlitz! – 1982. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 56 Jahre alt. Er starb 1982 im Alter von 62 Jahren infolge eines kurzen Krebsleidens.

Mario Krüger, zweiter Mann von Monika. Lebt ohne Eltern. Wird von Max und Hertha bisschen adoptiert, um nicht auf die schiefe Bahn zu kommen. Schaupieler: Peter Fabers, *1954 – 2025. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 23 Jahre alt. Er starb 2025 im Alter von 70 Jahren.
Constanze Kleinschmidt, zweite Liebe von Jens Baumann, dem Enkel von Max und Hertha. Schauspielerin: Sabine Scholze, Daten unbekannt.
Marlene Kleinschmidt, Mutter von Constanze, Schwiegermutter von Jens. Schauspielerin: Ingeborg Krabbe, *1931 – 2017. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 45 Jahre alt. Ingeborg starb im Alter von 85 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
Benno Grieshübel, Herbergsleiter in der Sächsischen Schweiz. Die Serie kokettiert mit seiner Schauspielrolle in „Spuk im Hochhaus“. Schaupieler: Gerry Wolff, *1920 – 2005. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 56 Jahre alt. Er starb 2005 im Alter von 85 Jahren und war Jahre zuvor erblindet nach einem Schlaganfall.
Hugo Krüger, leiblicher Vater von Mario Krüger, dem Ziehsohn von Max. Außerdem Chameur um Marlene Kleinschmidt. Schaupieler: Herbert Köfer, *1921 – 2021. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 55 Jahre alt. Er starb 2021 im Alter von 100 Jahren (!!!!) an den Folgen einer Sepsis.

Ramona Besenbrenner, Gastronomin ums Eck und alle Männer verführende Femme fatale, sehr zum Ärger der Frauen. Schauspielerin: Ursula Staack, *1943. Zum Zeitpunkt von Teil 1 also 33 Jahre alt.
Und noch viele andere, aber ich muss erstmal weiter gucken…
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