Der allererste Oscar Preisträger, Kategorie „Bester Hauptdarsteller“, war übrigens Görlitzer! Ja, 1929 bekam Emil Jannings als erster diesen Preis. Aber stimmt das denn mit „Görlitzer“? Hier ist die Geschichte dazu…
Biografie Jannings
Geboren wurde er 1884 in Rorschach in der Schweiz. 1950 starb er in Strobl in Österreich. Weder geboren noch gestorben ist er in Görlitz.
Aufgewachsen ist er in der Schweiz, sowie in Leipzig und Görlitz. Ab wann genau ist unbekannt. Alte Adressbücher verzeichnen Jannings ab 1896. Seine Mutter hieß Margarethe und eine solche wohnte 1896 auf der Löbauer Straße 81. Das Adressbuch von 1893 kennt Familie Jannings noch nicht. Möglicherweise ist er also als 12 Jähriger her gekommen.
Er ging hier zur Schule, jedoch das Abitur schloss er gar nicht ab, sondern ging für ein Jahr zur See. Da muss er 15 gewesen sein. Ein Jahr war er Schiffsjunge. Dann kehrte er 1900 zurück nach Görlitz und bekam eine Stelle als Volontär am Stadttheater Görlitz. Da war er 16.
Unser Görlitzer Theater bescheinigte ihm allerdings „fehlendes Talent“. Schon 1901, mit 17 also, verließ er Görlitz und schloss er sich Schauspilgruppen an. Bis 1908 bereiste er den gesamten deutschen Sprachraum. Wenn überhaupt war er 4 Jahre in Görlitz!
Es folgten weitere Stationen in Berlin, er kam zum Film (Stummfilm) und es folgte Amerika. Hier bekam er tatsächlich 1929 als erster „Bester Hauptdarsteller“ den Oscar. Er kehrte nie mehr zurück nach Görlitz.

Emil Jannings wäre nie ein Görlitz Insider geworden unter diesen Umständen, wenn er mir nicht mit eindringlicher Bitte zugearbeitet worden wäre. Daher ruhte dieser Fakt auch seit 2015, lag mir irgendwie quer und schaffte es bisher nie auf die Homepage. Meinen Frieden finde ich nur, wenn ich folgende Frage stellen kann:
Ab wann ist man Görlitzer?
Diese Frage ist berechtigt und nicht leicht zu beantworten.
In Görlitz geboren:
Reicht das, um Görlitzer zu sein?
Seit immer mehr Geburtenstationen weg rationalisiert werden, werden auch immer mehr Kinder von Frauen aus dem weiten Umland (zwangsweise) in Görlitz entbunden. Die Mütter kommen teils aus Lauban, Löbau, Niesky nach Görlitz, weil sie nur hier betreut in einer Klinik entbinden können.
Prominentestes Beispiel für „in Görlitz geboren“ ist der Leo Neugebauer.
Im Jahr 2.000 in Görlitz geboren, ja. ABER: Seine Zeit als Görlitzer betrug genau 6 Wochen. Dann kam schon der Umzug in die Gegend von Stuttgart. Hier war er nie in Kindergarten, Schule, Sportverein. Gebetsmühlenartig wird aus ihm aber ein „Görlitzer“ gemacht. Regelmäßig Oma und Opa in Friedersdorf besuchen, zählt nur ein bisschen…
Ein bisschen mehr dazu hier.

Zweites Beispiel: Michael Ballack, geboren 1976 in Görlitz. Ein halbes Jahr nach der Geburt verzog die Familie nach Chemnitz. Dort war er in der Kita, in der Schule, ab dem 7. Lebensjahr im Sportverein. Zu Recht sagen die Chemnitzer, Ballack stammt von ihnen. Aber ob er sich selber als Görlitzer bezeichnen würde?
Lebenszeit in Görlitz verbracht:
Die Emil-Jannings-Frage. Reicht es, ca. 4 Jahre in Görlitz gelebt zu haben (von insgesamt 66), um Görlitzer zu sein. Ähm…?
Ein aktuelles Beispiel: Lukas Rietzschel, geboren 1984 in Räckelwitz, aufgewachsen bei Kamenz und Demitz-Thumitz. Nach dem Abitur ging er nach Kassel, studierte zunächst dort. Dann kam er zum Studium nach Görlitz, 2018.
2017 allerdings habe er sein Buch bereits beendet gehabt und 2018 veröffentlicht. Es schildern die Nachwendezeit in der sächsischen Provinz, die gar nicht Görlitz sein konnte, sondern die Gegend seiner Jugend. Eine ganz kurze Zeit sprachen die Medien noch von dem Mann bei Kamenz, dann kippte es und er wurde zum „Görlitzer“ geschrieben. Seine medialen Erfolge fallen in die Görlitzer Zeit, ja – bis es beginnt gewaltig zu nerven. (Siehe Beitrag). Inzwischen wohnt er in Italien für ein Arbeitsstipendium. 7 Jahre Görlitz, gilt das?
Er war bei mir nie ein Insider… einzig, als sein Buch auch noch verfilmt wurde und Görlitz mal wieder zu Görliwood wurde. Eine Freundin arbeite am Set und bat mich eindringlich darum.
Noch ein Oscar für einen Görlitzer
Ein weiterer Görlitzer, August Alfred Junge, gewann 1948 den Oscar in den Kategorien Beste Kamera/Farbfilm – also hinter der Kamera. Alfred wurde 1886 in Görlitz geboren und hatte 18-jährig als Schauspieler am Stadttheater seiner Heimatstadt Görlitz begonnen. Immerhin. Danach ging er, wie Emil Jannings, fort. Den Oscar bekam er mit 62 und starb 1964 – nicht in Görlitz – in Bad Kissing.
Jannings und Junge sind bisher die einzigen zwei „Görlitzer“, die je einen Oscar bekamen.
Görlitzer „sein“
Eines Tages, wenn junge Menschen hier wohnen bleiben, weil sie in Görlitz alles finden, was ihre Träume wahr werden lässt. Wenn sie vielleicht noch auf „Wanderjahre“ gehen, aber gebildet und begeistert in ihre Heimat zurück kehren und sich hier verwirklichen. Wenn wieder die Mehrheit seit zwei-drei-vier Generationen hier wohnt und die Stadt mit prägt, statt monatlich 350 Zuzüge und 348 Fortzüge (Statistik: Januar 2026) zu verzeichnen sind – dann, ja dann wird die Frage, ab wann man eigentlich Görlitzer ist, leichter zu beantworten sein…
Bis dahin werden medial noch manche – künftig und auch rückwirkend – zu „Görlitzern“ erklärt werden, die hier ihren Geburtsort haben oder als Streiflichter die Stadt kurz nutzen.
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