Hier der Blick zurück auf die schwul-lesbische Szene der 90er bis 2015 etwa in Ostsachsen inklusive Dresden und Cottbus. Davon geblieben ist nahezu nichts. Aber genau das „könnt ein Anfang sein“, wie Rosenstolz singen würden…
Wieso überhaupt der Blick zurück
Irgendwann im Frühjahr hab ich zu Wojtek vom CSD eV Görlitz gesagt, ich kann ja mal gucken, wen es da so alles noch gibt. Vielleicht können wir noch jemand zum CSD einladen. Aber der Blick ging ins (fast) Leere. So sieht es aus:
Gegenpol Februar 1999
Der Gegenpol war ein gedrucktes Heft, was Sachsenweit monatlich erschien.
Ich beschränke es mal auf Ostsachsen inklusive Dresden. Und aus Brandenburg nehmen wir Cottbus noch dazu. Das ist der übliche 100 km Radius, in dem man sich damals bewegte.

Zittau. Löbau, Bautzen, Görlitz – alle da. Immerhin, das waren die End-90er!!!
2012 stellte der Gegenpol seinen Service ein – und kam nie zurück.
Sapphos Guide Europa 2004/2005
Es gab mal einen „Lesben-Führer“ für Europa! In Druckversion! Mit über 2.200 Lesben-Adressen. Unglaublich aus heutiger Sicht. Damit wagen wir den Blick auf Frauenorte, an denen lesbische Frauen „Willkommen“ waren oder sogar die explizit erwünschte Zielgruppe.
Es beginnt Dresden:
Da fehlen noch „Schwesterwelle“ und „GirlsClub“.


Und, yes, Görlitz! Das Zentrum schwul-lesbischer Bewegung in der Oberlausitz.
Mit Party, Stammtisch, Schwimmvergnügen, Lesbengruppe. Und vielen Zeitungsartikeln, Plakataktionen, Aktionen zum Welt-Aids-Tag, Ausflügen zu den Feiertagen etc.

Der Sapphos-Guide verzeichnet keinen Ort in Bautzen, nichts in Zittau, nichts in Löbau – was so nicht stimmt! In BZ und ZI gab es die Schwubs-Stammtische, in Zittau einen seperaten Lesbenstammtisch. Löbau endete tatasächlich 1999.
Grüße gehen wieder raus nach Cottbus ins Glad House. Da waren wir auch 2-3x:

Der Sapphos Guide erschien letztmalig 2007/08.
Wer sich einen Sapphos Guide kaufen will, aus nostalgischen Gründen oder für Recherchearbeit Europaweit: Den gibt es manchmal noch antiquarisch. Hier bestellen.
Konnys Lesbenseiten 2012
Das große Nachschlagewerk in den Jahren 1998 – 2018. Zum Lesbenfrühling 1998 war die Seite gestartet. Nach 20 Jahre und 2 Tage war Schluss. Es war die Online-Datenbank Nr 1. Ein Blick nach 2012 sagt, dass es damals noch viel zu entdecken gab:
Cottbus. Auch so eine tolle Frau. Hab sie mehrfach getroffen. Und vor allem eine coole Stelle. Davon träume Sachsen noch lange…

Dresden:


Görlitz:

Schon 2016 dünnte es sich gehörig aus.
Bis dahin waren wir regelrecht von Szeneangeboten verwöhnt und wie gern sind wir in einen der „Lesbenschuppen“ gefahren…
Lesarion 2026
Kommen wir in die heutige Zeit!
Die Online-Flirtbörsen haben und hatten immer auch einen CityGuide mit drin. Der Blick ins „lesbische Einwohnermeldeamt“ 2026 zeigt das Wenige, auf was die Lesbenszene zusammen geschrumpelt sein soll – was übrigens nicht mal stimmt:

Noch 13 Einträge sollen übrig sein aus den 1990er und 2.000er Jahren?
Streichen kann man noch das „Café Kontakt“, dazu gibt es keine Einträge mehr.
„SchlaU“ hieß dann „Quest“, weil es „queer“ sein wollte und endete als Totläufer.
Keine aktuellen Hinweise mehr für die „S1“-Party, den „Girls Club“, keine „Schwesterwelle“ im X-Side Club, keine „TransParty“, die letzte „ThinkPink“ war 2025 u.s.w. Geblieben ist das „sowieso“ und der „Gerede eV“ 2026. Und alles ist weggefegt in Zittau, Löbau, Görlitz, Bautzen.
So langsam wird klar, was ich sagen will, oder?
ChatGPT 2026
Es fehlen die explizit schwulen Orte und überhaupt die Frage, was gibt es denn nun noch 2026?
Wenn es jemand genau weiß, dann die kleine Datenkrake. Ich habe sie also gefragt nach Dresden, Cottbus und der Oberlausitz. Ergebnis:
„Ja. Ich habe für August 2026 recherchiert und dabei aktuelle Szene-Guides sowie lokale Einträge gegengeprüft. Wichtig: Bei kleineren Orten gibt es deutlich weniger feste schwule Lokale als in Dresden; manche Einträge sind alte Szene-Adressen oder Cruising-Hinweise und daher nicht automatisch aktuell oder regelmäßig besucht.
🏳️🌈 Dresden
Hier ist die Szene mit Abstand am stärksten:
- BOYs – klassische Gay-Bar in der Neustadt, Alaunstraße 80. Der aktuelle Szene-Eintrag führt sie weiterhin als Gay-Bar; Freitag/Samstag wird eine längere Öffnungszeit angegeben.
- BUNKER – Das Original – Männer-/Cruising- und Fetischclub, Prießnitzstraße 51. Freitag und Samstag sowie vor Feiertagen; vom Lederclub Dresden betrieben.
- PickUp Men’s Club – Jordanstraße 2, Männerclub mit Darkroom.
- Paradise Dresden – Gay-Sauna/Beachclub, Friedensstraße 45. Aktuell täglich 12–1 Uhr; bestimmte Tage sind ausschließlich für schwule Männer, andere Unisex.
- Saxxim – Bar in der Neustadt, Görlitzer Straße 2b; im aktuellen Szene-Guide weiterhin gelistet.
- Café Continental – Görlitzer Straße 1; ebenfalls weiterhin im Szene-Guide aufgeführt.
- Dazu kommen wechselnde Queer-Partys und Veranstaltungen.
Dresden hat damit aktuell mehrere echte feste Szene-Adressen; ein aktueller 2026-Guide führt ebenfalls Bars, Clubs, Sauna und Cruising-Angebote auf.
🏳️🌈 Bautzen
Hier sieht es wesentlich dünner aus:
- Ein dauerhaftes schwules Lokal, das ich für August 2026 zuverlässig bestätigen könnte, habe ich für Bautzen nicht gefunden.
🏳️🌈 Görlitz
- CSD Görlitz-Zgorzelec: 2026 am 26. September.
- Berzdorfer See – im aktuellen Szene-Guide weiterhin als Cruising-/FKK-Ort geführt.
- Ein dauerhaftes klassisches Gay-Café/Gay-Bar konnte ich für August 2026 nicht zuverlässig bestätigen.
Bei normalen Bars in Görlitz würde ich dagegen nicht einfach behaupten, sie seien „schwule Szene-Orte“, nur weil sie in einem allgemeinen Nachtleben-Verzeichnis auftauchen.
🏳️🌈 Zittau
- CSD Zittau – 12. September 2026.
- Hier konnte ich für August 2026 keine dauerhaft betriebene schwule Bar oder Sauna sicher bestätigen.
🏳️🌈 Löbau
Für Löbau selbst konnte ich aktuell keinen zuverlässig bestätigten festen schwulen Treffpunkt finden.
Die Szene verteilt sich offenbar eher auf Zittau, Görlitz und Bautzen beziehungsweise auf Veranstaltungen der regionalen queeren Initiativen.
🏳️🌈 Cottbus
Cottbus ist deutlich größer und hat eine eigene queere Community. Für eine belastbare August-2026-Liste möchte ich hier allerdings nicht einfach alte Internet-Einträge als aktuell ausgeben. Meine aktuelle Suche hat keine ausreichend eindeutige Liste fester schwuler Lokale ergeben.
🏳️🌈 Kamenz
Für Kamenz konnte ich keinen festen schwulen Treffpunkt bestätigen, der im August 2026 zuverlässig als solcher betrieben wird.
🏳️🌈 Niesky
Auch für Niesky konnte ich keinen aktuell bestätigten festen Gay-Club, eine Gay-Bar oder Sauna finden.
🏳️🌈 Bischofswerda
Für Bischofswerda gilt dasselbe: keinen festen schwulen Szene-Ort, den ich für August 2026 seriös bestätigen könnte.“
Damit wird nochmals ganz anders klar, was ich schon 2019 ff zur Szene in Görlitz gezeigt habe. Sie ist einfach tot bzw unbrauchbar für Schwule und Lesben.
Was hat die Szene sterben lassen?
Es mag ein Ursachenmix sein:
Die damaligen Protagonisten sind heute alle ü40 – ü70. Nachdem der Sturm & Drang ihrer Jugend raus war, wurden sie ruhiger. Inzwischen sind knapp 15 Jahre vergangen (seit 2011, als Schwubs aufhörte). Eine völlig neue Generation ist am Start, die gar nicht mehr weiß, wie das „früher“ war – und vielleicht bei diesem Beitrag Bauklötzer staunt, was es mal alles gab.
Das liebe Internet mit seiner Illusion der schnellen Kontakte.
Lesarion startete 1999. Gayromeo 2002. Inzwischen bieten auch Hetero-Flirtseiten an, dass man schwul-lesbisch suchen kann. Seit dem „wischen“ sich Homos wie Heteros also durchs Internet – und sind inzwischen nur noch genervt. Seltsam dabei: Viele Hetero-Männern, die es mal „probieren“ wollen, sind auf GayRomeo und Grindr zu finden. Liebe Ehefrauen: Was machen Eure Männer da im Internet?
Die Lesben und Schwulen hingegen haben schon lange festgestellt, dass alles Wesentliche fehlt beim online wischen…
2017/2018 gab es den entscheidende Schritt zur vollständigen rechtlichen Gleichstellung der Partnerschaft mit der „Ehe für alle“. Der Bundestag beschloss sie am 30. Juni 2017. Seit 1. Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die Frage war bereits 2017, für was soll man jetzt noch beim CSD auf die Straße gehen? Seit dem haben wir „rechtlich“ alles.
Letztlich hat sich mit dem „Quotenschwulen“ in jeder Vorabendserie, einem völlig schwulen Eurovision Song Contest und Prideartikel in jedem Ramschladen um die 2015 Jahre etwas gedreht. Es wurde irgendwie „okay“, wenn jemand schwul oder lesbisch bzw trans war.
Inzwischen jedoch kippelt diese errungende Toleranz so langsam, denn der exessive Regenbogen, der von politisch motivierten Gruppen eingesetzt wird, geht vielen inzwischen mächtig auf den Keks – Schwule und Lesben übrigens eingenommen! Queer ist nicht schwul oder lesbisch. Folglich bleiben LSBT´s auch inzwischen den CSDs fern und gehen nicht zu queeren Angeboten.
Schwer zu glauben? Dann hier mal zuhören.
Die Steuerlast und Reklementierungswut, vor allem aber der Teuro, hindert auch Schwule und Lesben daran, Cafés zu eröffnen, Bars zu betreiben, Partys zu organisieren, Saunen zu betreiben oder kleine Buchläden offen zu halten. Große Ketten bewerkstelligen das noch. Aber das lokale, individuelle hats schwer, hetero wie homo. Es ist gerade keine „Gründerzeit“, denn die Rahmenbedingungen sind schlecht.
Wie selbstverständlich bringen die Öffentlich Rechtlichen schwul-lesbische-trans Inhalte. Man kann sich durch Disney.TV, Amazon-Prime, Netflix und Co streamen. Und es gibt inzwischen bestimmt über 500 LSBT-Filme zu kaufen. Das man dabei weiterhin isoliert auf der heimischen Couch sitzt, ist auch schon vielen aufgefallen…
Und: „Queer“ hat LSBT verdrängt. Alles ist nur noch „queer“ und erstickt unter exessiv missbrauchten Regenbogenfahnen. Prominentes „Opfer“ des queeren Wahns ist der „Krug & Schadenberg“-Verlag, der lesbische Literatur 30 Jahre lang (1993 – 2023) veröffentlichte. Seit dem übersetzt niemand mehr englischsprache lesbische Literatur ins Deutsche, womit viele Fortsetzungen mühevoll von Lesben auf englisch gelesen werden müssen. Das Börsenblatt hat die Damen interviewt, hier zu lesen.

Was tun bei dem vielen „Nichts“?
Neu anfangen! Darum wird es im nächsten Beitrag gehen. Denn für den Görlitzer CSD 2026 probieren wir das schwedische Model aus Göteborg, zu dem ich schon 2025 einen Beitrag geschrieben habe.
Hier unter dem Beitrag sind so bunte Symbole. Damit könnt ihr den Beitrag an Freunde teilen zu Facebook, Whatsapp, Instagram, Twitter, per eMail etc. Probierts mal aus!