Heute die Geschichte der Kontaktanzeigen für Schwule und Lesben. Eine der Kernfragen für Homosexuelle und Trans*Menschen bleibt die Frage nach dem Kennenlernen und dem Durchbrechen der Einsamkeit. Der Kontakt zu Gleichgesinnten ist das Elementarste überhaupt. Und so gab es zu allen Zeiten Kontaktanzeigen…
Zu DDR Zeiten
Da war es die „Wochenpost“, die besonders Schwulen in der DDR zueinander verhalf. Wöchentlich erschien diese Zeitung von 1953 bis 1996 mit einer Auflage von 1,3 Millionen Exemplaren. Damit war es eine der auflagenstärksten Zeitungen. Und mindestens ab den 80ern gab es die Rubrik „Er sucht Ihn“. Also wurde fleißig inseriert und mittwochs zum Kiosk gegangen. Dann wurden die Anzeigen studiert und Briefe durch die ganze Republik geschrieben. Ich weiß nicht, ob in einem (Homo-)Museum je diese Geschichte erzählt wurde, deswegen wollte ich sie hier mal nennen.
In den 90ern
Da gab es den Gegenpol. Ein zunächst sächsisches LSBT-Magazin, später sogar für ganz Mitteldeutschland. Es erschien von 1996 bis 2012 monatlich. Einen erheblichen Teil machten die schwulen Kontaktanzeigen aus. Aber auch „Sie sucht Sie“ gab es:

In den 2.000ern
Da fiel uns in Görlitz auf, dass der Wochenkurier in Görlitz nur über „Sie sucht Ihn“ und „Er sucht Sie“ verfügte und über die Kategorie „Kontakte“. Folglich musste eine ernstgemeinte Kontaktanzeige nach Bekanntschaft, Freundschaft und Liebe sich einreihen bei „Rosi“ und ihrer 010090 Nummer.
Wir haben damals nicht „DISKRIMINIERUNG!“ geschrien. Sondern wir haben einen Termin bei der Redakteurin unseres Vertrauens gemacht und ihr den Fall aus unserer Sicht geschildert. So hatte sie die Welt noch nie gesehen und wollte sich bemühen, dass es möglich wird. Selbstverständlich!
Und das wurde es: Nach dem Gespräch war es problemlos möglich auch „Sie sucht Sie“ oder „Er sucht Ihn“ zu inserieren.
Leider wurde der Wochenkurier 2023 eingestellt.
ABER…
Die 2020er Jahre
Auch der noch vorhandene Niederschlesische Kurier bzw Oberlausitzer Kurier ist ebenfalls im LSBT-Zeitalter angekommen und kennt „Sie sucht Sie“ und „Er sucht Ihn“. Das wird nur sehr selten genutzt. Dabei funktioniert es sehr gut. Immerhin ist die Zeitung mit einer Auflage von über 300.000 eine der Stärksten der Region.

So gehts!
Man hat 3 Möglichkeiten, eine Anzeige aufzugeben:
1. Vor Ort im Büro (in Görlitz auf der Dresdner Straße 6). Vermutlich scheidet dieser Weg für die meisten aus, auch wenn die Mitarbeiterin überaus freundlich ist.
2. Eine telefonische Aufgabe des Anzeigentextes bzw per eMail. Das ist vermutlich schon mehr ein gangbarer Weg für viele.

3. Es ist auch möglich, die Anzeige selbst online einzugeben. Dazu kommt hier die Bedienungsanleitung:
Eine Kontaktanzeige online aufgeben – Anleitung:
Unter alles-lausitz.de auf „Anzeigenannahme“ klicken.

Es öffnet sich ein neues Fenster und da kann man nun ein LogIn anlegen (ohne geht es nicht). Der Schritt kann auch später erfolgen. Man kann auch erstmal auswählen, was man inserieren will.
Eine „Private Anzeige“ wird es:

Nun sind ein paar Schritte zu absolvieren. Wir biegen in die „Fundgrube“.

Nun muss man die Rubrik wählen. Da gibt es „Er sucht Ihn“ und „Sie sucht Sie“. Willkommen im entspannten Zeitalter der 2020er Jahre. Außerdem kann man den Samstag wählen, wo die Anzeige erscheinen soll und dann für eine Woche drin steht. Ich schreib diesen Text nicht ganz grundlos zwei Wochen vor dem CSD Görlitz (siehe unten!)

Wichtig: Man kann nur in der Gesamtausgabe inserieren. Der Haken muss da rein, sonst meckert das System. Das heißt aber auch, die Anzeige erscheint im LK GR, LK BZ bis Kamenz und Bischofswerda. Die Anzeige braucht also möglicherweise eine Ortsangabe oder einen Bereich der Postleitzahl (PLZ 02 zum Bsp).

Und nun kann es schon los gehen mit dem Anzeigen-Text. Jederzeit können die bisherigen Schritte nochmal editiert und geändert werden (kleine Stifte).

Hier wirds jetzt knifflich, denn je mehr Text man schreibt, desto teurer wird es. Deswegen kannte noch in den 90ern und 2.000 jeder die „Codes“ für Kontaktanzeigen. Sie sind ein bisschen in Vergessenheit geraten, da die (eigentlich nicht funktionierende) Online-Flirtbörsen die Kontaktanzeigen abgelöst haben. Dennoch biete ich hier mal die Codes an – um Zeichen zu sparen.
Hier ist nun auch der Punkt, wo man entscheiden muss, wie überhaupt die Rückmeldung der Leser aussehen soll:

Von Telefonnummer ist tatsächlich abzuraten. Das waren die Erfahrungen vom Anzeigen-Flashmob 2022 der Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Damals hatten sie gleichzeitig alle 122 (ECHTE!) Arbeitsgesuche aufgegeben, da man ihnen drohte, sie würde zum Stichtag 16. März 2022 ihre Arbeitsstellen verlieren, wenn sie sich nicht impfen lassen. Eine Freundin hatte tagelang Telefonterror, bis hin zu Bedrohungen sowie sämliche Medienanstalten an ihrem Handy. Sie hatte unüberlegt ihre Handynummer hingeschrieben. Wer „on the Edge“ leben will, schreibt sie hin.
Was ist denn Chiffre?
Bei Chiffre sammelt die Redaktion eine Woche lang alle Post die eingeht bei sich in Bautzen und macht zur Mitte der Folgewoche einen Sammelumschlag fertig, wo alle Zuschriften drin stecken. Nur die Redaktion kennt eure Adresse. Konkret heißt das:
Bis Dienstag Anzeige aufgeben (Redaktionsschluss).
Samstag erscheint sie in der Ausgabe. (Erscheinungstermin)
Ab da sammelt die Redaktion bis zum nächsten Dienstag (Folgewoche).
Ungefähr Freitag ist die Post da. (Posteingang)
Dieser Service kostet meines Wissens nichts zusätzlich.
Ihr versteht wieder, wieso ich zwei Wochen vor dem CSD in Görlitz diesen Beitrag schreiben. Die Rückmeldungen wären pünktlich zum CSD da!
Wer sich für Chiffre entscheidet, muss nun der Redaktion verraten, wohin sie die Leserpost schicken soll. Dabei kann man „divers“ auswählen. Auch da ist der Kurier in den 2020ern angekommen.

Es gibt noch eine Möglichkeit, wie man Euch erreichen kann, jenseits von Chiffre oder der Telefonnummer: Schreibt einfach in den Anzeigentext eure eMail-Adresse. Das ist eine Zeile mehr Text, aber eine direkte Kontaktmöglichkeit, ohne das dauernd das Telefon klingelt und man kann entspannt den Spam löschen. Vor allem muss man nicht eine Woche auf seine Post warten. Und alle Leser tippen vielleicht auch lieber einen Text, als einen echten Brief auf Reisen zu schicken.
Im nächsten Schritt kommt die Zusammenfassung zu allem, was man bisher verfasst und entschieden hat. Spätestens jetzt meckert das System und sagt, man habe sich noch nicht angemeldet.

So verkehrt ist das nicht, sich einen LogIn anzulegen. Die nächste Jobsuche, eine Wohnungssuche, ein Autoverkauf oder irgendwelcher Trödel der weg muss, kommt bestimmt. Das alles kann man nämlich digital selbstständig inserieren mit dem LogIn. Also LogIn anlegen! (Und irgendwo aufschreiben).
Letzter Schritt ist die Angabe der Bankverbindung. Ja, es kostet was! Mein Test-7-Zeiler einen Zwanni.

Senden drücken, fertig!
Es kommt eine eMail geflattert und man kann sich die Bestätigung drucken.

Ab dem Moment wirds spannend… Denn nun ist Amor dran!
Wieso eine Kontaktanzeige aufgeben?
Online-Flirt-Börsen haben fertig.
Das höre ich immer wieder. Alle sind gefrustet: Von den Fakeprofilen, uralten ungepflegten Datensätzen, den Heteromännern auf schwulen Seiten mit Ehefrau zu Hause, von der herzlosen Wischerei von Profilen.
Gerade die Aktion der „Mitarbeiter im Gesundheitswesen 2022“ hat gezeigt, dass eine solche Verabredung auf gleichzeitiges inserieren eine enorme Resonanz erzeugen kann bis in die Redaktionsstuben von Bild, Spiegel, MDR etc und tagelag im Social Media hoch und runter. Das war damals mutig und revolutionär, es so zu machen. Ein toller Flashmob. Hier nochmal der Bericht.
Die Szene ist tot (siehe Beitrag). Das schildere ich seit 12 Jahren. Orte zum Ausgehen gibt es nicht bzw kaum, Sachsenweit. Es bleibt nichts.
Also: Back to the roots!
Auf dem CSD lernt man keine Schwulen und Lesben mehr kennen. Paradebeispiel war gestern der CSD in Zittau. Das, was mal Szene war, ist okkupiert von (heterosexuellen) politischen Gruppen. Das Erkennungszeichen, der Regenbogen, wurde vergewaltigt und wird nun von allen geschwungen. Als Erkennungszeichen ist er verloren. Die aller meisten Schwulen und Lesben, die ich kenne, gehen seit 2015 auf keinen CSD mehr – aus genau diesen Gründen.
Gemeinsam in der Woche vor dem CSD in einer regionalen Zeitung auftauchen, sorgt für Sichtbarkeit des Themas und dieser Personengruppe, um die es ein Wochenende lang gehen wird. Sonst im Alltag assimilieren Lesben und Schwule mit ihrer heterosexuellen Umgebung. Sie sind zumeist unsichtbar.
Zeit mal sichtbar zu werden, oder?
Das Hauptthema der Schwulen und Lesben war IMMER, nicht alleine zu sein und aus der Einsamkeit rauszukommen. Ich hab noch einen ganzen Berg Briefe im Archiv von Ratsuchenden. Das Foto zeigt noch nicht mal die Hälfte der Zuschriften. Das zentrale Thema ist: „Wo sind die anderen, ich bin allein!“

Was ist also einfacher, als sich über eine regionale kostenlose Zeitung zu finden, die in jedem Haushalt ankommt, wenn die sogar „Sie sucht Sie“ und „Er sucht Ihn“ anbietet?
Ich freue mich, Eure Inserate zu lesen…
Hier unter dem Beitrag sind so bunte Symbole. Damit könnt ihr den Beitrag an Freunde teilen zu Facebook, Whatsapp, Instagram, Twitter, per eMail etc. Probierts mal aus!