2026 versuchen wir etwas Neues: Ordnung ins Chaos bringen! Deswegen kann man sich in diesem Jahr als CSD-Truck (Fahrzeug), als Laufgruppe (*neu) und als Stand auf der anschließenden politischen Kundgebung anmelden. Warum und wieso erklärt dieser Beitrag…
Stell dir vor…
… es ist Stadtumzug und alle rennen durcheinander. Kein Schild, keine Kleidung die etwas aussagt, nur viele Menschen. Es gibt zwar viel zu gucken, aber keine Personengruppe ist erkennbar, kein „Schaubild“ erklärt irgendwas, kein Anliegen ist zu verstehen.
War das gerade der OB?
Sind das die Stadträte?
Kam jetzt gerade Napoleon oder Böhme?
Ihr versteht das Problem!
Oder ein zweites Beipiel, um es etwas deutlicher zu machen:
Die ViaThea Parade 2026. Da war gut erkennbar: Jetzt kommt das Theater, jetzt Senckenberg, das ist eine Sportgruppe, das sind ViaThea Künstler, da laufen die Maskottchen, da kommt der Kulturservice. Sie trugen Schilder und Banner, sie hatten erkennbare Kleidung an, ihre Fahrzeuge waren geschmückt. Und ihr Hauptanliegen war, sich einfach zu präsentieren und sichtbaren Spaß zu haben. Das war gut!
Jeder Zuschauer konnte so verstehen, was vor sich geht.
Hier nochmal die Bilderserie von Axel Lange
Die CSDs (von Dresden, über Leipzig bis Cottbus) bestehen aus einigen Trucks und dann einem riesen großen Durcheinander. Es ist sowohl für Teilnehmer als auch für Zuschauer überhaupt nicht klar, wer da läuft und vor allem WARUM? Das wollen wir dieses Jahr ändern: Mit erkennbaren LSBT-Laufgruppen zu den Trucks und der Möglichkeit, ganz unterschiedliche Anliegen zum Ausdruck zu bringen.
Der schwedische Weg
Vorbild ist uns der CSD aus Göteborg. Dazu gibt es einen extra Beitrag, der an dieser Stelle unbedingt nochmal gelesen werden sollte, um zu verstehen, wo es hingehen soll und warum.
>>>> CSD in Göteborg – der schwedische Weg <<<<
Wie kann das in Görlitz gehen?
Der Begriff „Queer“ hat seit 2015 schwul und lesbisch subsumiert, abgelöst und unsichtbar gemacht, siehe Beitrag „Die Szene ist tot“. Dabei sind Schwule, wie Lesben und auch Transen in jedem Lebensbereich der Gesellschaft zu finden. Der CSD in diesem Jahr kann ein Anfang sein. Der Beginn von neuen Gruppen, neuen Netzwerken, der Start einer „echten“ LSBT-Community.
Ein CSD ist nicht der Moment, wo sich eine Stadtgesellschaft präsentiert, sondern der Moment, wo schwul-lesbisch-trans-Leben für einen Tag sichtbar wird. Und der Teil der Gesellschaft, der sich „gayfriendly“ positioniert.
Denkbar wären also zum Beispiel Laufgruppen bzw Trucks mit… (Jetzt kommt die Inspiration!):
Berufsgruppen:
Wenn ich das schwedische Modell auf hiesige Verhältnisse übersetzen wöllte, würde ich sagen:
Die Verwaltungen, von Stadtverwaltung über Landratsämter, aber auch Argentur für Arbeit, Gerichte, Staatsanwaltschaften u.s.w., kurz die Staatsdiener, sind gut besetzt mit LSBT-Menschen in unserer Region. Und letztlich sind sie es auch, die Gesetze umsetzen müssen, dabei an noch vorhandene Grenzen stoßen und über Lücken stolpern.
Die Blaulichtfamilie ist natürlich herzlich eingeladen, mit Fahrzeugen und in Uniform mit ihren LSBT-Vertretern teilzunehmen. Ganz dem schwedischen Modell folgend. Aber ich hab schon gehört, dass vor lauter „Absichern der Veranstaltung“ kaum Kapazitäten dafür da sein werden, auch noch selber teilzunehmen. Aber vielleicht ja doch?

Schwul-lesbische Lehrer und Lehrerinnen wird in unserer Region definitiv eine große Laufgruppe.
Pflegekräfte, Krankenschwestern, Ärzte, Physiotherapeuten ist die nächste sehr große Laufgruppe und sie passen prima hinter den „Truck“ der Rettungsdienste.
Sämtliche Gastronomen, Kellner, Hoteliers und ihre Angestellten sind ebenfalls eine große Laufgruppe und sie passen perfekt hinter ein Gastro-Caprio.
Wenn alle Pädagogen und Erzieher sich zusammen finden, ist die nächste Laufgruppe da.
Gleiches gilt für alle im Handel. Wenn sie zusammen gehen mit allen aus der Dienstleistung, werden es auch richtig viele.
Die große Gruppe der Künstler – von Theater über Orchester bis Kleinkünstler – machen einen wichtigen Bereich des gesellschaftlichen Lebens aus, der an den Rand des Stillstandes käme, wenn es LSBTs nicht gäbe.

In den letzten Jahren ist der Bereich der IT-Dienstleister und Callcenter enorm gewachsen. Vielleicht wollen ja hier die LSBTs eine Gruppe bilden.
Dann alle Dienstleister die mit Schienenfahrzeugen bzw Personenverkehr zu tun haben. Hier verweise ich einfach jetzt schon mal auf die Gästeliste (die ich noch schreibe), denn da bekommt Görlitz fetzigen Besuch 2026.
Was könnte Anliegen der Vertreter der einzelnen Berufsgruppen sein?
Sichtbar machen, wie sehr das gesellschaftliche Leben auch von LSBTs aufrecht erhalten wird. In der Regel sind „wir“ unsichtbar. Für Kollegen und Kunden, Freunde und Publikum aber oft unersetzlich. In den verschiedenen Lebensbereichen sehen LSBTs durch ihre „besondere Brille“ ganz anderen Handlungsansatz und noch bestehende Fehlstellen.
Es müssen auch nicht immer Berufsgruppen sein. Denkbar sind auch…
Lebensmodelle: Wir sind Familie
„Just Married“ wäre eine große Gruppe. Seit 2001 ist die Eintragung der „Homoehe“ möglich, seit 2017 als 100% Gleichstellung. So wurden 2024 in ganz Sachsen 368 gleichgeschlechtliche Eheschließungen registriert. 2018 in den Landkreisen BZ und GR 81. Verheiratete Schwule und Lesben sind also eine ziemlich große „Laufgruppe“.

Nochmal mehr werden es, wenn alle Schwulen und Lesben kommen, die Kinder aufziehen. Ob nun eigene oder adoptierte oder Pflegekinder. Die Rainbow-Familys sind definitiv eine große Laufgruppe.
Wichtig wären auch coole Eltern der Herkunftsfamilien, also die Angehörigen. Stolze Mütter, liebe Omas, tolle Geschwister.
Hier gehören auch die Trans*-Menschen rein, die seit 2024 die vereinfachte Änderung des Geschlechtseintrag genutzt haben. Bzw jene, die vor 2024 den langwierigen Weg genommen haben oder es künftig vorhaben. Sachsenweit waren es bis Anfang 2026 insgesamt 2.884 Geschlechtseintragsänderungen seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Rund 24 % davon entfielen auf „männlich → weiblich“. Mit Euch könnte es voll werden!

Was könnte Anliegen der Vertreter des Familienthemas sein?
Zeigen, dass „wir“ auch Familie sind. Inklusive den Tücken, die es mit sich bringt. Manchmal braucht ein Partner*In „Kind frei“, ist aber weder Mutter noch Vater. Manchen (unnötigen) Kampf kämpfen Eltern und Geschwister mit aus, ohne das sie eine Bedienungsanleitung hätten. Und wieviele verheiratete Schwule sehe ich niemals in Görlitz Hand in Hand laufen, weil es ihnen in ihrer Beziehung unmöglich erscheint…
Aber vielleicht präsentieren sich einige lieber mit….
Hobbys und Lebenswelten
Wenn ich im Geiste die Lesben mit Motorrad in unserer Region durchzähle, reicht es locker für eine schöne Spitze des CSD-Umzuges. Beim CSD Dresden hat das Tradition, dass sie stets die Spitze des Demozugs bilden. Na meine Damen? Und auch Herren…
Wenn ich an die Görlitzer Fußball-Frauen und die Handball-Frauen denke, gibt das sofort die nächsten Gruppen.
Oder was ist mit dem schönen Oldtimer-Caprio von Ricarda Laura-Mareen? Das hübsche Wägelchen voll Trans-Freundinnen gesetzt und schon wird die Vielfältigkeit und Schönheit der Szene sichtbar.
Und wenn ich mir überlege, wie viele Schwule und Lesben ich in religösen Zusammenhängen aufgegabelt habe, bin ich mir sicher, eine Delegation aus dem Bereich Glauben kommt auch zusammen.

Was könnte Anliegen der Vertreter des Hobbythemas sein?
Wenn ich jetzt sage, dass eine thailändische Volleyballmannschaft, bestehend aus Schwulen und Transen, mit einer lesbischen Trainerin, tatsächlich mal eine Landesmeisterschaft gewonnen hat… und das es sogar einen Film darüber gibt… wird es doch interessant. Hier könnten sich tatsächlich gayfriendly Vereine präsentieren, die dieses sportliche Potenzial gern bei sich haben.
Insgesamt ermöglichen die Hobby-Gruppen einen erweiterten Blick in die Lebenswelten von LSBTs.
Aber vielleicht wird es auch wieder eine Sortierung nach….
Politische Gruppen
„Früher“ hat der CSD Druck auf die Politik ausgeübt – und zwar gleichsam auf alle politische Lager, um die LSBT-Interessen voran zu bringen. Später nahmen politische Gruppen daran teil. Inzwischen wird der CSD von politischen Gruppen organisiert. Das ist im Grundsatz falsch! Und es führt vor allem zu jede Menge Ärger – der mit LSBT gar nichts zu tun hat.
Für Schwule, Lesben und Transen wird es einfacher, wenn politische Gruppen von Links, über Grün, bis CDU und AFD oder den „Omas gegen Rechts“ und den „Feministinnen“ angemeldete und erkennbare Laufgruppen und Trucks teilnehmen. Dann nämlich kann man sich deutlich distanzieren – oder auch zuordnen.
Aber auch für Zuschauer wird es einfacher zu verstehen, dass das viele politische Gegröhle und Regenbogenfahnen schwingen von poltischen Gruppen gar nichts mit Schwulen und Lesben zu tun hat, sondern mit politischen Interessen und ein völlig anderer Schuh ist.
Die Mehrzahl der Schwulen und Lesben nimmt gar nicht mehr an CSDs teil, weil sie nicht politisch sind und laufen unter Antifa-Flaggen oder hinter Partei-Trucks für sie ausgeschlossen ist. Das ist absolut nachvollziehbar. Umso wichtiger ist es für die Zuschauer, dass diese Gruppen klar erkennbar sind als vorrangig politisch – und minimal bis gar nicht LSBT.
Genauso wichtig ist es aber auch, dass die Lesben und Schwule eben doch wieder teilnehmen, damit Menschen im Coming Out die echte Bandbreite schwul-lesbisch-trans* Leben kennenlernen und nicht glauben, ihre Sexualität oder Identität sei abhängig von einem Parteibuch oder einem gewissen Grad an Radikalität.
Fetisch
Ein Aspekt, der besonders die schwule Männerwelt umtreibt. Ich weiß nicht, ob unsere Region das her gibt, aber wenn ein paar Bären, ein paar Puppi-Lovers, ein paar Skins, Militäry-Lovers oder Lack-Leder-Typen in einem Fetisch-Block laufen wollen, bittesehr. Anmelden! In Schweden sind derartige Spielarten fast gar nicht zu sehen, sondern sowas bleibt im heimischen Schlafzimmer (oder im Schwulenclub).
Die Toleranzgrenze von vielen LSBTs wird erreicht, wenn Menschen sich als Fuchsbaby indentifizieren oder als Traktorrad durch die Welt kullern wollen. Na gut, jeder wie er/sie/es es mag. Aber hier ist eigentlich eine Cosplay-Veranstaltung eher das emotionale Zuhause, als ein CSD. Wenn eine solche Gruppe erkennbar deklariert läuft, ist es für ALLE besser einzuordnen, wieviel LSBT das noch ist – oder schon nicht mehr.
Vielleicht ist die schönere Idee ja diese…
Regionale Gruppen
Das ist ein schöner Gedanke, wenn eine Delegation aus Cottbus rüber kommt und als solche erkennbar wird. Selbiges gilt für die Bautzener, die dieses Jahr keinen eigenen CSD haben. Oder die Zittauer, die am 12.9. ihren CSD haben und quasi noch „warm“ sind, um rüber nach Görlitz zu kommen. Macht euch sichtbar.
Was könnte Anliegen der Vertreter der Regionalgruppen sein?
Sich zeigen, ganz klar. Sich vernetzen, unbedingt. Freundschaften pflegen, Termine austauschen, sich gegenseitig besuchen. Also herzliche Einladung, meldet euch an.
Anmelden wo?
Ihr wollt mit einem Truck (Fahrzeug) teilnehmen, ihr wollt als Laufgruppe teilnehmen, ihr wollt Euch und euer Anliegen bei der anschließenden Kundgebung gern noch an einem Stand präsentieren?
>>>>> Dann anmelden hier. <<<<<<
Diese Möglichkeit bietet in diesem Jahr der Görlitzer CSD 2026.
Damit wird es klarer für Zuschauer, Presse, Fotografen, Fernsehen, Teilnehmer und Polizeikräfte.
Und es wird ein bisschen erwachsener, als das Chaos der letztes Jahre.
Die Gästeliste für Görlitz füllt sich bereits. Dazu demnächst mehr.
Jetzt heißt es Freunde kontaktieren, zur Idee „Ja“ sagen und sich ANMELDEN!!!
Denkt dran: „Es könnt´ ein Anfang sein, wenn du dich traust…“ (Rosenstolz)
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