Die Lebensdauer einer Nachricht

Lebensdauer einer Nachricht
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Das da ist die „Lebensdauer einer Nachricht“. Wenn man die versteht, versteht man ganz viel von dem, wie Medien arbeiten.

Also: Ich hab am 28.2. meinen Beitrag gepostet und dann hat der Server bisschen geglüht. Tags drauf, am 29.2., auch noch. Und jetzt plätschert der Beitrag noch vor sich hin – obwohl ich nicht mehr dran rumgerüttelt habe. Ich müsste jetzt nachlegen, dann gehts wieder heiß her aufm Server. Die Grundregel lautet: 1x posten = 2 Tage Besucher auf dem (Online-)Beitrag. Das ist (fast) immer so.

Es geht nur um Kohle

Nun leben Medien aber von Besuchern auf ihren Onlineseiten. Das ist ein Business! Es geht um Geld, um Umsatzzahlen, um eigene Arbeitsplätze und Gehälter. Und deswegen geht es ganz besonders darum, immer wieder Besucher auf die eigene Seite zu ziehen, denn die sind das Argument gegenüber Werbepartnern: „Wenn Sie ihre Werbung bei uns platzieren, erreichen Sie unsere 100.000 Leser.“ Wer wie viele Besucher (angeblich) hat, kann man in den Mediadaten nachlesen und auch die Preise für die Werbeflächen. Tja und die Werbepartner verlangen natürlich auch, dass diese Besucherzahlen erhalten bleiben. Wenn da plötzlich nur noch 5.000 Leute lesen, ziehen sich Werbepartner zurück und vom Chef gibts eins auf die Mütze.

Wenn man das auf diese Weise beginnt zu verstehen, begreift man auch, warum Medien eben NICHT 1x eine Meldung zu einem Thema bringen und dann Ruhe geben. Können die gar nicht! Nach zwei Tagen MUSS nachgelegt werden, weil die erste Meldung durch ist. Deswegen wird Corona in jeder erdenklicher Form jetzt ausgeschlachtet.

Es is gor nüscht

In Wahrheit ist unser Erdball ein ziemlich friedlicher, ruhiger Ort, der gemütlich um die Sonne tingelt und viele Menschen vollbringen wirklich gute Sachen bzw halten die alltäglichen Bälle am Laufen. Kurz: Es ist Nichts! Ganz viele Pressemitteilung wirken jedoch regelrecht zusammengeschustert, damit das friedliche Nichts in Unruhe gerät.

Das Bedauerliche ist: Mit schönen Meldungen, Blümchen, Tieren, ein paar wirklich gute Fakten und Neuerungen, kann man sich nur schwer finanzieren. So mancher Redakteur im Medienbusiness leidet vermutlich sogar unter dem inhaltlich, was er da täglich bringen muss. Aber es finanziert nun einmal sein Haus, sein Auto, seine Familie, sein Leben. Und so erhält sich das Business selbst.

Noch! Es gibt ja schon ganz viele Aussteiger und viele freie Medien, die es maßgeblich über Spenden ihrer Leser/Zuschauer versuchen und vor allem: Mit wirklich guten Inhalten.

Wenn mal wieder alles zu viel wird, setzt euch gedanklich auf den Mond und guckt rüber zur Erde. Schlagartig relativiert sich vieles. Das ist der Overview-Effekt. Mir hat das durchs Abi geholfen 😉

Only bad News are good News

Ganz ehrlich: Ich war ja bissl traurig, dass nun ausgerechnet dieser Corona-Scheiß solche Klickzahlen erreicht. In anderen Beiträgen steckt viel mehr Recherche, da war ich extra Fotos holen und hab auch viel mehr Liebe reingesteckt. Aber ihr seht: „Only bad News are good News.“

Ein bisschen Skandal, ein bisschen Hype, am liebsten ein Verbrechen und schon glüht der Server und das Printprodukt wird aus den Regalen gerissen. Und wenn eine Meldung ihre Lebensdauer beendet, dann muss schnell die Nächste her, am besten genauso skandalös. Corona wird jetzt so lange ausgeschlachtet, bis verdammt nochmal sich niemand mehr ansteckt und auch keiner mehr daran stirbt. Gruselig, oder? Aber nun wisst ihr auch, warum das so gemacht wird.

Was kann man tun, um das nicht noch zu unterstützen?

Es muss uns einfach nur bewusst werden.
Facebook, überhaupt Sozial Media, hat für Medien keinen anderen Zweck, als Leute auf die eigene Seite zu ziehen. Ganz besonders klar wird das, wenn der Zweizeiler im Facebook so kryptisch geschrieben ist, dass man völlig im Dunklen tappt, bis man den Link anklickt. Also alles, was so klingt, wie: „Unfassbar, was dann passierte. Wir sagen Euch, warum es so kommen musste…“ plus eine irreführende Überschrift, die manchmal noch nicht mal zum Inhalt des Beitrags passt. Das erleben wir täglich!

DU bist der Schlüssel

Jeder im Facebook hat ca. 100 Freunde. Was auch immer er/sie/d liked, kommentiert oder teilt, sehen alle diese Freunde. (Mal abgesehen von privaten Einschränkungen, die man treffen kann.) Das heißt, je mehr ihr Euch in öffentlichen Kommentarspalten aufregt, je mehr Likes (auch die „wow“, „traurig“ , „böse“) ihr vergebt, desto mehr heizt ihr das Schneeballprinzip an. Die eigenen Freunde sehen es dann in ihren News. Ihr werdet unfreiwillig zum Multiplikator. Man hat häufig das Gefühl, Kommentare werden gar nicht administriert. Ja warum auch? Hauptsache die Leute sorgen für Reichweite und noch mehr Besucher. Dann läufts doch „prima“.

Lösungen

Was kann man da machen? Na am besten NICHTS machen!
Es muss nur klar sein, wie es technisch funktioniert. Weder den blöden Artikel anklicken und lesen, noch liken, kommentieren oder öffentlich teilen. Das Gespräch über doofe Inhalte an einzelne Freunde direkt im privaten Chat teilen, mit denen ihr drüber reden wollt. Im Endeffekt werden negative Meldungen viel weniger gelesen. Die Zugriffszahlen sinken. Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet das, sie funktionieren nicht mehr.

Das viel wichtigere ist: Artikel, die ihr wirklich richtig richtig spitze findet, natürlich anklicken und lesen, natürlich liken, kommentieren und teilen. Und damit beginnt ihr, jeder Einzelne, die Medienlandschaft in eine neue inhaltliche Richtung zu steuern. Die Leser sind der Schlüssel!

Lasst euch nichts nachrichten

Redakteure funktionieren wie ein subjektiver Filter, der sich zwischen den Sachverhalt und den Leser schaltet. Lasst aus Spaß im Freundeskreis mal 5 Leute einen kleinen Artikel zu einem Sachverhalt schreiben und staunt, welche Nuancen und Variationen dabei raus kommen.

Deswegen geht immer direkt an die Quelle! Nur der Verein, die Gruppe, der Händler, die Stadt- und Kreisverwaltung selber, die Polizei selber, das Klinikum und der Arzt selber, die Stadtwerke selber, die Verkehrsbetriebe selber, die Parteien selber etc pp wissen, wie es wirklich ist und wie es richtig lauten muss. Und: Sie alle publizieren auch selber!!! Und sie alle bedauern mehrheitlich, dass ihre Texte von den Medien immer verändert werden. Lasst Euch so wenig wie möglich nach-richten.

Deswegen ist Görlitz Insider so anders

Nun wisst ihr auch, warum ich seltenst als Redakteur auftrete, sondern viel lieber einfach eure positiven Meldungen im Facebook teile. Dann behält es exakt den Wortlaut und Sinn, den die Quelle beabsichtigt hatte.

Genauso schreibe ich keine News und reite von Hype zu Hype. Ich schaffe Beiträge, die länger ihre Gültigkeit behalten, wie nur die 2-Tages-Lebensdauer einer Nachricht. Das ist eine völlig andere Ebene. Dieses längerwährende bringt Ruhe rein in aufgescheuchten Zeiten. Und die breit gefächerte Themenauswahl hält den Horizont weit und offen, der ansonsten täglich auf ein bis zwei Spitzenthemen konzentriert, ja verengt werden soll.

Es ist der Versuch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.


Hier unter dem Beitrag sind so bunte Symbole. Damit könnt ihr den Beitrag an Freunde teilen über Whatsapp, Instagram, Twitter, per eMail etc. Probierts mal aus!


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