Es war einmal Georg Emmerich (1422 – 1507)…

Georg Emmerich
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Seine Geschichte um den Seitensprung mit der Nachbarstochter ist allgemein bekannt: Seine darauf folgende Pilgertour nach Jerusalem brachte die Baupläne fürs Heilige Grab nach Görlitz. Und auf diese wenigen Infos wird Emmerich dann auch oftmals begrenzt: Seitensprung, Pilgertour, Baupläne, Original getreuer Nachbau des Heiligen Grabes, Ende. Schade, denn der Typ hat für noch viel mehr Geschichten gesorgt.

Als er zurückkam, heiratete er die sehr reiche Barbara Knebel. Mit ihr hatte er 9 Kinder. Der Bundespräsident wäre also heute Patenonkel und hätte 500 Euro rüber gereicht (siehe). Als Barbara starb, hatte er mit Klara Eschlauer noch mal 3 Kinder. Na und der Nachbarstochter hatte er in Jugendjahren ja auch ein Kind gemacht. Fleißig war der Mann also. Wir könnten nun alle mal kräftig Ahnenforschung betreiben und gucken, ob wir uns auf einen der 13 Emmerich-Sprösslinge zurückführen lassen. Das wäre dann schon fast blaues Blut in den Adern, denn die Geschichten um den Emmerich gehen noch weiter…

Im Laufe seines Lebens wurde er 5x Bürgermeister unserer Stadt. Das allein wäre ja schon Grund genug, auf Ur-Ur-Ur-Ahne Emmerich stolz zu sein. Aber außer seiner politischen Laufbahn war er vor allem sehr geschäftstüchtig. Er handelte mit Tuch, Getreide, Karpfen aus eigenen Teichen und Metall, letzteres wohl zur Münzprägung innerhalb der Stadt. Und er wurde dadurch ziemlich reich.

Weil reich sein aber damals wie heute nicht reichte, begann er Land zu kaufen. Also, jetzt nicht ein Grundstück mit Garten. Nee, ganze Dörfer! Zum Bsp Hagenwerder (damals Nickrisch) war Emmerichs Dorf. Recht viele Dörfer auf der Ostseite der Neiße. Insgesamt schaffte er es wohl auf 19 Dörfer mit braven, hörigen Bauern und viel Feldern. Dazu einige Häuser innerhalb der Stadt Görlitz sowie Güter und Wiesen vor der Stadtmauer. Heute würde man sagen: Ausgesorgt!

Einige Zeit wohnte er in Görlitz. Das heutige Hotel Emmerich Obermarkt 1 /Ecke Webertsraße war tatsächlich einige Jahre sein Haus.

Sommerbestuhlung vor dem Hotel Emmerich, Weberstaße Ecke Untermarkt 1.

Aber natürlich musste es irgendwann ein Rittergut sein. Also nicht eins, sondern das in Lissa, das in Ober Leopoldshain, das in Hennersdorf, das in Thielitz, in Sercha… Warum nur eins, wenn man alle haben kann?

Zur selben Zeit lebte Luther. Und irgendwie kannte man sich früher, auch ganz ohne Bildzeitung, Facebook und RTL. Luther muss mal über Emmerich gesagt haben, er sei der „ungekrönte König von Görlitz“. Na, verhalten hat er sich zumindest wie einer.

Als er 1507 starb, wurde er auf dem Nikolaifriedhof beerdigt. Klar, wie alle Bürgermeister, Handelsleute und Könige in Spe. Aber auch das war für DEN Emmerich nicht genug. Es musste eine Gruft her und zwar an der Nikolaikirche. Jetzt nicht so eine Gruft, wie sie einige anderen schon hatten. Nein, ein ganzer Kirchenausgang aus der Kirche führt in die Emmerichgruft. Allerdings erst 1721 errichtet. Knapp 200 Jahre hielt also der Prunk und Gloria um seine Person.

Emmrich Gruft auf dem Nikolaifriedhof

Es sei angemerkt, das das letzte Hemd bei niemanden Taschen hat und alles, außer der Geschichte ums Heilige Grab, inzwischen ja doch nahezu in Vergessenheit geraten ist. Ob es dafür Sinn machte, sich so manchen Feind zu schaffen? Er war laut Geschichtsschreibung nämlich nicht bei jedermann beliebt…

Aber ihr seht, es stecken 1.000 kleine Geschichten in unserer Stadt, die einer Seifenoper im Vorabendprogramm in nichts nachstehen würden. Stadtgeschichte kann richtig spannend sein. Ahnenforschung auch! Am Rande sei noch bemerkt: Emmerich soll sehr hübsch gewesen sein. Wenn das nicht reicht für eine Görliwoodproduktion…
Foto: Georg Emmerich im “Hotel Emmerich”, Untermarkt 1
Ein Beitrag vom 1.7.2016

Eure schönen Kommentare

” so mag ich Geschichtsunterricht 😀 “
” Super! Danke für die Info! Ich habe damal auch das Theaterstück auf dem Untermarkt gesehen! Schade das es so etwas nicht mehr gibt! “
” auf dem Nikalaifriedhof zum Theater war ich auch schon! Es war schaurig schön! 👍🏻 “
” interssant, sehr interessant! ich liebe geschichten und die geschichte meiner stadt “
” Wenn ich mir sein Gesicht so betrachte – ich kenne jemanden, der ihm ähnlich sieht! “


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