Ende der 80er bekam ein Haus risse, weil man sein Nachbargebäude entfernt hatte. Binnen 48 Stunden mussten damals alle Einwohner raus. Das Haus wurde unbewohnbar und musste abgetragen werden. Hier ist diese Geschichte.
Es war einmal…
… in den End 70ern, als ich noch eine ganz kleine Insiderin war. Wir wohnten damals in der Brautwiesenstraße 21. Das ist (oder vielmehr war) das letzte Haus linke Seite, wenn man vom Brautwiesenplatz die Straße rauf kommt. Quasi direkt an der heutigen Fußgängerampel.
Es gibt kaum alte Postkarten oder Fotos von diesem Haus.
Eine ehemalige Nachbarin hatte mal diese Postkarte von 1905 für mich.

Sie zeigt die Rauschwalder Straße. Rechts gibt es ein kleines Wohnhaus. Dahinter sieht man die Hauswand von Nr 21. Die gegenüberliegende Straßenseite war noch mit Gründerzeit bebaut. Dort ist heute die Einfahrt zu Thomas Phillips, Norma und Co. Zur Orientierung gibt es heute nur noch das „Bügelhaus“ auf der Ecke Brautwiesenstraße/Rauschwalder Straße (mittig).
Ein nasses, kaltes Loch
Die Brautwiesenstraße war mit Klo eine halbe Treppe tiefer, man bekam sie im eiskalten Winter 1978/1979 kaum über 10 Grad geheizt und es war feucht. Das Dach war zwar neu gedeckt worden, aber die Spenglerarbeiten wurden nicht ausgeführt. Es regnete also ein und der ganze Dachboden beherbergte eine Ansammlung von Schüsseln und Wannen, um das eindringende Wasser aufzufangen.
Die ehemalige Nachbarin erzählt dazu: „Im Winter war Eis an den Innenwänden und die Kinder mussten mit Mützchen und Handschuhen schlafen.“ Und weiter: „Jeden Herbst/Winter hatten wir Mäuse in der Küche (im 2. Stock!!!), die haben immer den Schacht für die Wasserrohre benutzt, um nach oben zu kommen. Und im Sommer hatten wir im 4. Stock zwischen ca. 8.00 Uhr bis so 16.00 Uhr oft kein Wasser mehr, weil der Druck nicht ausreichte.“
Die ehemalige Nachbarin trat 1979 die Flucht nach vorn an und zog aus. Anfang der 80er zogen auch wir ins neu gebaute Königshufen. Mitte der 80er zog auch meine Oma nach Königshufen, die bis dato noch in der Brautwiesenstraße 21 wohnte. Die Familie war wohnlich nun sehr viel besser aufgestellt. Die neuen Wohnungen waren warm, mit Toilette in der Wohnung, es war trocken. Eine Wohnung in Königshufen zu bekommen, war damals ein Segen.
Abriss des kleinen Nachbarhauses
Auch davon hat die ehemalige Nachbarin ein Foto. Ende der 80er trug man das kleine Nachbarhaus ab, Rauschwalder Straße 38. (Hinter der noch stehenden Hauswand der Nr 21 ganz oben links stand mein Kinderbettchen.)

Alles kam ins Rutschen
Mit dem Abriss des Nachbarhauses wurde Nr 21 instabil und eine Kettenreaktion setzte sich in Gang. Es war wie bei Jenga, dem Spiel mit den Holzklötzchen. Wenn man eins rauszieht, kommt alles andere ins Wanken und Schwanken.
Und so bildeten sich Risse. Die Behörden reagierten: „Alle raus!“ Binnen 48 Stunden mussten alle verbliebenden Bewohner die Nr 21 räumen, restlos. Das Haus war nicht mehr zu retten und wurde letztlich abgerissen. Gäbe es mich nicht und meine ehemalige Nachbarin, die diese Geschichte immer mal wieder seit 40 Jahren erzählen, wäre sie längst vergessen. Heute ist es da einfach nur grün. Bei Google Maps allerdings steht sie noch als Nummer da: Die Brautwiesenstraße Nr 21.


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