Die Straßenbahn nach Moys

Straßenbahn nach Moys
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Eine weitere verlorene Straßenbahnlinie ist die in die Oststadt von Görlitz, also über die Neiße und weiter in den Süden bis in den Stadtteil Moys. Auch hier gibt es alte Stadtkarten, die den Linienverlauf eingezeichnet haben. Dazu alte Postkarten. Und bis heute befinden sich die Oberleitungsrosetten an den Fassaden. Ich lade ein zu einer spannenden Straßenbahnfahrt 1897 – 1965.

Geschichte

Am 9. Dezember 1897 startete die Straßenbahn elektrisch von der Rauschwalder Straße über den Demi, die Neiße bis zum „Stadt Prag“ in der Oststadt. Es war Linie 3 und sie war 5,3 km lang. Diese Strecke fuhr sie bis 1899. Dann folgte die Erweiterung bis Moys.

Von 1900 bis 1945 für die Straßenbahn bis zur Endhaltestelle „Am Rothwasser“ in Moys.
1921 wurde die Linie in den Westen erweitert und fuhr nun bis nach Rauschwalde zu den Linden. Ab 1936 fahren sogar zwei Linien auf der Strecke. Die eine von den Linden bis zur Endhaltestelle „Am Rothwasser“. Die andere „nur“ von Kreisbahnhof bis „Stadt Prag“. Ab 1937 ist es jetzt Linie 2, die die Landeskrone mit Moys „Am Rothwasser“ verbindet. 1939 Pendelt Linie 3 dann nur noch zwischen Demianiplatz und Moys „Am Rothwasser“.

Schlagartig endet der Verkehr über die Neiße 1945. Erstens fehlte die Brücke. Zweitens war hinter dem Fluss nun ein anderes Land. 1965 endete auch der Betrieb der Linie bis in die Stadthalle. Genau genommen ist es ein Kriegsschaden.

Heute

Heute fährt der Bus A nach Zgorzelec. Das auch die Straßenbahn wieder in die Oststadt fahren könnte, ist noch nicht vom Tisch. Dazu gibt es bereits einen älteren Beitrag von 2019.

Es hätte zum rangieren gereicht, wenn man die Gleise neben der Post hätte liegen lassen.

Das die Gleise auch bis zur Schützenstraße liegen, hat nicht nur mit rangieren zu tun. Es ist der Anfang der Linie nach Zgorzelec/Moys.

Oberleitungsrosetten – die Spuren bis heute

Auch auf diesem stillgelegten Straßenbahnabschnitt gibt es noch Oberleitungsrosetten. Das sind die Befestigungen der Oberleitungen der Elektrischen Straßenbahn an den Fassaden in den Straßen der Linie 3. Ich untermale den Beitrag also wieder mit den kleinen feinen Spuren von 1897, die sich bis heute erhalten haben.

Vom Demi bis zum Mühlweg

Wir schauen wieder auf der alten Karte von 1897, die uns bis zum „Stadt Prag“ bringt. Der Linienverlauf ist darauf eingezeichnet. Andere Linien habe ich ein wenig übertüncht, damit sie nicht verwirren. Dazu verlinke ich auf Postarten und Fotos im Netz, wo man die Bahn selbst oder den Gleisverlauf sehen kann.

Zunächst kommt die Bahn also vom Demi, fährt zwischen Frauenkirche und Post hindurch und begibt sich in die Schützenstraße. An der heutigen Ampel fährt sie leichts rechts in den Mühlweg. Zur Postkarte.

Schützenstraße am ehemaligen Kreuzbube und den Nachbarhäusern
Kurz vor der Ampel an der heutigen Tagespflege.

Mühlweg bis Moltkestraße

Diesen Abschnitt teilte sich die Bahn nach Moys mit der Ringbahn, deswegen sind die Infos in folgendem Beitrag.

Mühlweg bis Kahlbaum-Allee

Heute kaum vorstellbar, aber die Straßenbahn nach Moys nahm den Weg durch die Villen hinab zur Kahlbaum-Allee (damals noch Promenade). An der ehemaligen Sprachheilschule (heute Diakonie) konnte ich eine einzige Oberleitungsrosette finden. Zur Postkarte.

ehemalige Sprachheilschule

Durch die Louis-Braille-Straße

Jetzt wirds verrückt! Die Baille Straße runter, am Park des Friedens vorbei? Gäbe es nicht die Oberleitungsrosetten, könnte man es kaum glauben. Früher nannte sie sich Schmidtstraße. Zur Postkarte.

Brückenstraße, Furtstraße, Parkstraße

Auch an der Hochschule sind Oberleitungsrosetten angebracht. Ebenso lässt sich noch eine in der Parkstraße finden. Die Straßenführung heute hat sich hier total geändert. Mitten auf der alten Linienführung steht heute das Gebäude des Zolls. Zur Postkarte.

Parkstraße, Eckhaus zur Braillestraße
Brückenstraße und Furtstraße

Über die Stadtbrücke

Vorbei an der Stadthalle ging es nun über die Reichenberger Brücke, die heutige Stadtbrücke. Bis 1945 war dies einfach nur ein Fluss. Die Deutsche Grenze lag ca. 170 km weiter östlich. Zur Postkarte

Fortsetzung folgt…. bis zur Endhaltestelle in Moys.

Fazit

JETZT, wo so viele Millionen in neue Straßenbahnen fließen, ist plötzlich auch wieder das Gespräch da zum Ausbau des Streckennetzes. Wohlan: Klinikum, Rauschwalde, Zgorzelec, Ringbahn, um erstmal das instand zu setzen, was es schon mal gab.

Eure schönen Kommentare

Nicht zum ersten Mal erzähle ich von dieser Straßenbahnlinie. Hier die schönen Reaktionen:
„Kenne ich noch“
„Ich habe Mühlweg gewohnt und kenne die Linie 3 aus meiner Kindheit. Leider weiß ich nicht mehr wie lange sie gefahren ist. Ich hatte so Angst während der Fahrt, sie hat furchtbar gewackelt. In der Kurve an der Ingenieur-Schule war sie sogar mal umgekippt. Vergesse es nie.“
„Die Straßenbahn fuhr auch noch in den 60er Jahren über den Mühlweg zur Stadthalle als Linie 3.“
„Völlig ungewohnt die Straßenbahn den Mühlweg entlang, aber irgendwie cool.“
„Die Linie 3 fuhr in den 60-ern vom Postplatz bis zur Ingieneurschule runter. Bin als Schulkind bis dort gefahren….“
„Straßenbahn bis Stadthalle kenne ich auch noch.“
„Auf der anschließenden Brailestr. sind heute noch Gleise zu sehen in der Straße“

„Linie 3 zur Stadthalle kenne ich auch noch“
„Bis sie in den 60ern die Linkskurve zur Stadthalle nicht bekam und Furt-/Brückenstraße in die Mauer krachte.“
> „… genau … daran kann ich mich sehr gut erinnern. Habe als Kind „da unten“ gewohnt. Und die Schaffnerin hatte sich den Arm gebrochen …“


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