Eine Bank für Fräulein Hanisch

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Eine neue Bank steht auf dem Friedhof. Das ist ansich vielleicht keine Meldung wert. Aber das Schild an der Bank hat mich dann doch sehr berührt. 🥰

Die Hintergrundgeschichte

Nachdem die ersten zwei Fotos nicht nur mich berührten, sondern gleich 365 Likes bekamen und 16.874 Personen erreichten, hab ich doch mal mit der Friedhofschefin telefoniert und zurück kam folgende Geschichte:

“Evelin Mühle, Leiterin des Eigenbetriebes Städtischer Friedhof, erzählt von einer Begebenheit, die am 6. Dezember geschah:
„Bei scheußlichem Wetter haben wir am Nikolaustag 2022 ein schönes Kapitel Friedhofsgeschichte geschrieben …

Zwei Bänke am Durchgang vom Alten Friedhof zum Urnenhain tragen seit diesem Tag Widmungen: Unserer außergewöhnlichen Lehrerin „Fräulein Hanisch“ 1925 – 2022 von ihrer Klasse 7a 1950 – 1952. Auf der zweiten Bank steht die 7b. Und eine außergewöhnliche Geschichte durfte ich erfahren.

Fräulein Hanisch war frisch vom Studium gekommen und bekam an der Elisabethschule die „Rüpelklasse“ 7b. Alles Jungs, denn damals wurde noch streng getrennt: 7a die Mädchen, 7b die Jungen. Bald schon zeigte sich, dass Fräulein Hanisch den Schülern Schillers Freiheit und Lessings Toleranz nahebrachte, dazu einen kritischen Blick auf die Welt. Das war nicht gerne gesehen in den politischen Kreisen der Zeit und passte nicht ins stalinistische geprägte Schulbild. Sie musste weg, erst an eine andere Schule … später verließ sie die DDR. Und nahm die letzten Aufsätze ihrer Schüler mit.

Nach der Wende gab es ein Klassentreffen und Fräulein Hanisch, die inzwischen nicht mehr Fräulein war, aber für die ehemaligen Schüler immer noch so hieß, wurde eingeladen. Sie brachte die Schüleraufsätze wieder mit und las daraus vor. Aus den Schülern der einstigen 7. Klassen waren brauchbare Persönlichkeiten geworden: Facharbeiter, Lehrerinnen, Unternehmer, Professoren, eine Sängerin, eine Übersetzerin/Redakteurin, ein Anwalt, ein (sozialistischer) Journalist, ein christlicher Pfarrer …

Dass sie mit all ihren verschiedenen Lebensläufen in Ost und West miteinander in Freude und Herzlichkeit das Wiedersehen feiern konnten, verdanken sie auch den in sie gepflanzten Gedanken von Toleranz und Akzeptanz. Lessings „Nathan Der Weise“ hat Früchte getragen.

Die Klassen trafen sich alle zwei Jahre und Fräulein Hanisch war dabei. 2022 ist sie in Neuss gestorben. Es war den ehemaligen Schülern ein großes Bedürfnis, eine oder zwei Bänke zu spenden. Es sind zwei geworden, an einem schönen Standort. Und Georg Walter, einer ihrer Schüler aus der „Rüpelklasse“ schreibt: „Wir haben einander nicht versetzt, saßen und sitzen alle in einem Boot, setzen nicht auf Klassen-Kampf, sondern auf Klassen-Geist, setzen auf Ideale, die uns verbanden und verbinden, auch nach uns.“

Und mein Fazit: ein guter Lehrer/eine gute Lehrerin wirkt fürs Leben.“
(Auch nochmal nachzulesen im nächsten Amtsblatt. Bekommen wir diese Geschichte bis Neuss geteilt?)
(Ein Beitrag vom 11. und 12.12.2022, Nochmals 368 Likes, 18.273 erreichte Personen)


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