Wahlergebnis OB Wahl 10. Mai 2026

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Die Görlitzer waren aufgerufen, an die Wahlurne zu treten.
Die Wahlbeteiligung lag bei (schlechten) 58,8 %.

Das Ergebnis

Octavian Ursu (CDU)  49,1 %
Sebastian Wippel (AfD)  44,3 %
Sabine Christian  (Linke)  3,4 %
Hagen Jeschke (parteilos) 3,2 %
So meldet es Radio Lausitz und die SZ.
Der Server von Stadt Görlitz hat den Ansturm nicht verkraftet und brach zusammen.

Es kommt zur Nachwahl am 31.5.2026

Kein Kandidat hat die Absolute Mehrheit (über 50 % erreicht). Deswegen sind die Görlitzer am 31. Mai 2026 erneut aufgerufen, an die Wahlurnen zu treten.

Platz 3 belegte mal wieder das Desinteresse

Ich weiß, wo heute alle waren. ☕️🍦⛱️
Zwischendrin war Zeit für ein Eis am See. In Deutsch-Ossig dachte ich, wenn alle, die dort hinten sind jetzt im Wahlbüro wären, hätten wir 100 % Wahlbeteiligung. Schon Mittag war absehbar, dass es eher mau wird. Im Ergebnis nur 58,8 % Wahlbeteiligung. Platz 3 der OB-Wahl belegte also mal wieder das Desinteresse mit 41,2 % 🤷‍♀️
Der 31. Mai 2026 entscheidet endgültig, wer OB von Görlitz wird. Notfalls auch mit 10 Stimmen, während 54.000 am See sind… 🤔

Gedanken zur Wahl

Können 100 % Wahlbeteiligung sein?

Ich sage „nein“.
Es gibt eine Diskrepanz zwischen Einwohnern (Haupt- und Nebenwohnsitz in Görlitz) und Bewohnern (nur Hauptwohnsitz in Görlitz). Sie beträgt 680 Menschen. Wer aus „Steuergründen“ seinen Hauptwohnsitz in Görlitz angemeldet hat, sich aber eigentlich an einem Nebenwohnsitz aufhält, wird gar nicht zur Wahl kommen. Zwei Beispiele: Wir kennen die Klingelbretter mit den vielen Namen, die alle gar nicht in die Wohneinheiten passen würden. Die Stadt ruft weiterhin seit den 2.000ern Jahren Studenten auf, ihren Hauptwohnsitz in Görlitz anzumelden, auch wenn sie nur Di-Mi-Do da sind und am Wochenende bei Mutti in irgendwo.

Das nächste Thema sind unsere 9.675 bzw 9.648 Ausländischen Bevölkerungsteile.

Ich kann sagen, in meinem Wahlbüro waren wenn überhaupt zwei Menschen mit ausländischem Akzent. Keine Südländer, keine Afrikaner, keine Araber. Nur einen verschwindend geringen Teil der 9.675 Ausländer interessiert hier eine Wahl.

In Summe fallen also schon mal 680 Menschen aus der Einwohner-Bewohner-Thematik und 9.675 Menschen aus der Ausländer-Thematik größtenteils weg. Das sind 10.355. Nicht alle werden 18 Jahre alt und Wahlberechtigt sein. Aber rund 10.000 fehlen schlicht.

Bereinigte Zahlen – ohne statistische Tricks

Wir hatten 44.479 Wahlberechtigte und 26.141 waren tatsächlich wählen.
Wenn wir uns nun erzählen, 49,1 % hätten Herrn Ursu gewählt und 44,3 % hätten Herrn Wippel gewählt, entsteht ein verzerrtes Bild. Das hat nichts mit dem Willen der Görlitzer zu tun. Das ist lediglich das Ergebnis derer, die wirklich wählen waren: Den kleinen 58,8 % aller Wahlberechtigten.

Richtig muss es heißen: Von allen wahlberechtigten Görlitzern haben sich 11.512 Menschen für Herrn Wippel ausgesprochen = 25,88 %. 12.750 wählten Herrn Ursu = 28,66 %.
Von allen anderen wissen wir es nämlich gar nicht!

Ähnlich war es im Wahlkampf um unseren Landrat. Der feierte sich mit 56,4 % im Jahr 2022. Aber bei 208.477 Wahlberechtigen waren 46.492 Stimmen für Herrn Mayer eben doch nur 22,3%, die ihn wirklich gewählt hatten.

Das falsche Pferd ganz links

Ein interner Zoff war bei der Partei Die LINKE der Wahl voraus gegangen. Ihr bestes Pferd im Stall (methaphorisch gemeint!) Jana Lübeck hatten sie rausgekickt und die eher unbekannte Sabine Christian ins Rennen geschickt.

Mit 1.010 Stimmen zog Frau Lübeck 2024 in den Stadtrat ein, noch vor Mirko Schultze (986 Stimmen). Bei der Stadtratswahl 2019 waren es sogar 2.178 Stimmen. 2019 hatte sie außerdem als Oberbürgermeisterin für Görlitz kandidiert und damals im ersten Wahlgang 1.470 Stimmen auf sich vereint.
Frau Christian kam jetzt auf 878 Stimmen. Das es der Partei die LINKE niemals ums gewinnen ging, ist auch klar. Aber für so einen Wahlkampf gibt es ja Steuergelder. 5.000 Euro schätzte Frau Christian für ihren Wahlkampf ein. Die SZ nannte sie „Symbolkandidatin“. Im zweiten Wahlkampf tritt sie nicht mehr an.

Trotz Bündnis kein Sieg

Auch darüber kann man mal nachdenken:
Herr Ursu hatte 2019, beim ersten Wahlgang, 30,3 % erreicht. Damals waren 46.128 Menschen wahlberechtigt. Davon waren 27.074 wählen = Die Wahlbeteiligung lag beim ersten Wahlgang bei 58,7%. Seine 30,3 % hatte er als CDU Kandidat geholt.

ERST im zweiten Wahlgang hatten sich dann auch Linke und Grüne, Motor, SPD, BfG für ihn ausgesprochen und so gewann er mit 55,2 %.

Dieses Mal stand von Anfang an ein Bündnis hinter Herrn Ursu bestehend aus CDU, Grüne, Motor, BfG, SPD und es reichte dennoch nur zu 49,1 %
(Wer nochmal die Wahl 2019 studieren will, hier sind meine Aufzeichnungen.)

Herr Wippel stand immer für sich und nur für eine Partei und erreichte 2019 im ersten Wahlgang 36,4 %, im zweiten Wahlgang 44,8 % und dieses Mal, 2026, 44,3 %.

„Die Hälfte lehnt mich ab“

Aus mehreren Gründen wöllte ich nicht in der Haut des ein oder anderen Kandidaten stecken.
Herr Ursu darf sich jetzt schon gewiss sein, dass ihn 11.512 Wippel-Wähler ablehnen.
Andersrum genauso: Herr Wippel sieht sich von 12.750 Ursu-Wählern abgelehnt.
(Genaue Stimmenvergabe gucken hier)
Das ist Spaltung der Gesellschaft per Excellence. Das war auch deutlich im Wahlkampf zu spüren. Noch nie gab es so viel Hass und Hetze gegen Andersdenkende von Menschen, die sich sonst immer als „demokratisch“ bezeichnen. Wie radikalisiert inzwischen viele sind, merken sie nicht mehr.

Ich fürchte, mit dieser Wucht der Ablehnung, regiert es sich schlecht – egal für wen.
Ich prognostiziere: Die Menschen wieder zu einen, wird ein Ding der Unmöglichkeit bis nach dem „Dritten Weltengeschehen“.

Warum eigentlich arbeitet niemand mehr zusammen?
Was spricht denn gegen Innovation, Fortschritt, Technik und echte Fachkräfte (auch aus dem Ausland) bei gleichzeitig Sicherheit, Ordnung, Steuersünder ausfindig machen, Straf- und Gewalttäter hops nehmen und dem kleinen Mann wieder Zukunftsperspektive geben und bisschen mehr Geld in der Tasche? Ich finde, dass wäre in Summe und in gemeinsamer Anstrengung sehr schön.

Die angeblich teuflische Briefwahl

Briefwahl ist etwas Schönes für alle, die an Wahltag X nicht können (warum auch immer). Sie wird 100% korrekt ausgezählt.
Gerüchteweise sei Schummelei nur im Vorfeld in Heimen (Altenwohnen oder Behindertenheime) denkbar, wenn für 20 Menschen hintereinander ankreuzelt wird, die kaum selbst dazu im Stande sind.

Ohne Briefwahl war das Ergebnis so:
Herr Ursu: 7.831 Stimmen. = 29,1 % (der 26.141 der Wähler)
Seine Top Wahlbezirke waren: Nikolaivorstadt, Innenstadt-Ost, Biesnitz, Altstadt.

Herr Wippel: 9.361 Stimmen. = 35,8 % (der 26.141 der Wähler)
Seine Top Wahlbezirke waren: Königshufen, Ludwigsdorf, Innenstadt-West, Jahnschule, Rauschwalde, Birkenwäldchen, Südstadt-Melanchthonschule, Kunnerwitz, Weinhübel, Hagenwerder.
(Wer wo wieviele Stimmen bekam, kann man hier angucken).

Nun könnte man wieder drüber nachdenken, wer in den einzelnen Wahlkreisen wohnt?
Altstadt, Innenstadt-Ost, Biesnitz, Nikolaivorstadt ist offenbar ein anderer Schlag Mensch, wie im Rest des Stadtgebietes und in allen eingemeindeten Dörfern…

Erst die Ausszählung der Briefwahl drehte das Ergebnis:
Herr Ursu: 4.919 Stimmen oben drauf.
Herr Wippel: 2.151 Stimmen oben drauf.

Ausstieg der Nebenkandidaten

Herr Jeschke erreichte 3,2 % (820 Stimmen) und steigt für den zweiten Wahlgang aus.
Frau Christian erreichte 3,4 % (878 Stimmen) und steigt ebenfalls für den zweiten Wahlgang aus.

78% Wahlbeteiligung sind möglich

Zurück zum ersten Gedanken, dass vermutlich 10.000 Menschen nicht wählen gehen werden und 100% Wahlbeteilung nicht möglich sind. Ein Blick in die letzten Wahlen zeigt:
2019 bei der letzten OB Wahl lag die Wahlbeteiligung bei 55,9 %.
2024 bei der Stadtratswahl bei 59,8 %.
2024 bei der Kreistagswahl bei 65,8 %.
2024 bei der Landtagswahl bei 71,5 %.
2025 bei der Bundestagswahl bei 78,8 % – (erstaunlich, dass die höchste Wahlbeteiligung bei den Angelegenheiten stattfindet, auf die man am wenigsten vor Ort Einfluss nehmen kann und die am weitesten entfernt von der Lebenswelt der Menschen ist.)
(In alten Zahlen rumschnüffeln, geht hier)

Ich sage: Da geht noch was! Das zeigen voran gegangene Wahlen. Auch wenn man das derzeitige System ablehnt oder alle Kandidaten.
Bevor wir noch kein neues System erschaffen haben bzw es uns erschaffen wurde, ist die Wahl DIE Möglichkeit im jetzigen System, etwas mitzubestimmen. Bis 2030 ist die Welt dann eine völlig andere. Darüber sind sich alle Astrologen, Prophezeihungen, Hellsichtigen, Spirituellen, Wirtschaftsweisen, Militärexperten, (ehrlichen) Politikbeobachter und amtierenden Politiker einig. Also genau im Zeitraum der Amtszeit des nächsten OB (2026 – 2033) kommt der „Great Reset“.
Für dieses Mal hilft nur: Wählen gehen!

Wahlbeteiligung erhöhen

Die sympatischste Lösung wurde aus Schlauroth gemeldet. Dort hatte ein Bürger einfach viele Einwohner abgeholt und persönlich zur Wahl gebracht. Besonders für ältere Menschen hilfreich.
In meinem Wahlbüro erschien eine Dame Jahrgang 1930, also 96! Sie brauchte dabei Begleitung, aber sie kam. Andere aus Jahrgang 1928, die wir in der Liste sahen, kamen mit 98 nicht mehr. (Nicht jeder Hochbetagte wohnt in einem Heim! Manche kommen sehr wohl noch in den eigenen vier Wänden zurecht – mit Unterstützung)
Hier greift die Idee meiner Kosmetikerin: Ihre Mutti, ü80, wollte auch nicht wählen gehen, weil das Wahlbüro 15 Minuten Fußweg entfernt lag, was sie inzwischen nicht mehr bewältigt. Die Lösung der Tochter war, ihr bei der Briefwahl zu helfen, denn so sehr „des Teufels“ ist die Briefwahl am Ende dann doch nicht.

Wissta noch – damals?

Damals, als uns ganz egal war, wer was wählt?
Damals, als zwar jeder wählen war, aber kein Hehl darum gemacht wurde?
Damals, als wir alle Freunde waren, egal wer wo und wie kreuzelte?
Damals, als das Leben und die Liebe wichtiger waren, als sich in politischen Gruppen zu separieren?
Damals, als ein Miteinander noch möglich war?
Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Ü40 ist hier klar im Vorteil.

Politik war nicht Mittelpunkt unseres Lebens und aller höchstens Randthema.
Wir täten gut daran, dahin zurück zu kehren. Ich verspreche Euch, es wird das Wichtigste in der nächsten OB-Amtszeit, dass wir zur Menschlichkeit und zum Miteinander zurückfinden.


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