Mitsommernacht, Fete de la Musique, Dorffest in Königshain, 33 Grad und gute Gründe am See zu sein, oder im Garten oder auf dem Balkon. Doch ein heftiger Gewittersturm ab 18:40 Uhr setze all dem abrupt ein Ende im Landkreis Görlitz.
Keine Vorankündigung
Das Gewitter kam von Westen. NINA hatte eine Gewitterwarnung, die jedoch 18:30 Uhr wieder gelöscht war. Und niemand sitzt den ganzen Tag vor dem Radar und guckt. Da die Tage vorher schon immer wieder kleinere Gewitterzellen über Görlitz gegangen waren, war wohl niemand ängstlich oder besonders auf der Hut.
Auf dem Radar hätte man es sehen können – wenn man geguckt hätte, was niemand hat.
18 Uhr war es bei Bautzen:

18:30 Uhr bei Löbau:

19 Uhr bei Reichenbach, Königshain, im Schöpstal und tobte in Görlitz los.
Eine Stunde ab Bautzen – das stimmte schon immer. Zwei Stunden ab Dresden.

19:30 Uhr hatte es Görlitz voll erwischt und über die Neiße geschafft. Es gibt auch die Möglichkeit, dass es nicht über die Neiße kommt und ewig über der Stadt hängen bleibt. Dann fällt noch sehr viel mehr Regen auf einen begrenzten Raum. Insofern immer gut, wenn es weiter zieht und sich dadurch verteilt.

Quelle der Karten: Kachelmann in der Sturzflut-Ansicht.
In den Insidern gab es den Hinweis:
„Mächtiges Gewitter. Es soll noch hausen bis 20 Uhr. Schaut nach umgewehten Mülltonnen und zugesetzten Gullis, so daß Strassen nicht ablaufen. Auch runter gefallenen Knüppeln. Vieles kann man später selber in Ordnung bringen. Passt auf Euch auf.“
Die Meldung gab es, nachdem der Sturm alle Mülltonnen an meinem Haus umgeworfen hatte und die Straße voll lief, nachdem unser Gulli versagte. Da war mir klar, dass es kein kleines Gewitterchen wird.

Retter im Dauereinsatz
Auch die Feuerwehr hatte keinerlei Information im Vorfeld bekommen. Schwierig also, sich auf so etwas vorzubereiten oder aktiv zu schützen. Man kann nur reagieren, wenn es los geht.
Während das Gewitter abzog und wir uns kollektiv an einem Regenbogen erfreuten, gingen die Meldungen ein. 44 Mal rückte die Feuerwehr Görlitz und die Freiwilligen Feuerwehren aus. Im Umland das selbe.

Das Soziale Netzwerk füllte sich schnell mit Fotos von Anwohnern der Schäden.
Heute, am Tag danach, war ich mir das ansehen.
Schäden im Stadtgebiet – das Aftermath
Wilhelmsplatz:
Vor allem Bäume hat es erwischt. Prominenteste Opfer sind 4 Bäume am Wilhelmsplatz. Zwei hat es auf der Seite des Gymnasiums entwurzelt und umgeworfen:

Nr 1:

Nr 2


Zum Glück alles in die Platzmitte und nicht auf Autos.
Es ist ein Segen, dass bei so einer Wetterlage kaum einer draußen rumläuft und daher nicht erschlagen werden kann.

Nummer 3 und 4 sind auf der anderen Platzseite in der Nähe der Augustastraße. Hier hat es große Teile der Stämme abgebrochen. Parkplätze sind deswegen gesperrt.

Nr 4

Kreuzkirchenpark:
Weiter ging meine Tour in den Kreukirchenpark. Auch von da hatte es Anwohnermeldungen gegeben.
So war die Reuterstraße unpassierbar und musste freigeschnitten werden.


Weiter unten im Park ist eine Birke abgebrochen.

Jüdischer Friedhof:
Der jüdische Friedhof ist derzeit gesperrt. Dazu gibt es folgende Pressemitteilung:
„Jüdischer Friedhof vorübergehend bis zur Beseitigung der Gewitterschäden geschlossen
Der Gewittersturm am Sonntag, dem 21.6.2026 hat auch Schäden auf dem Jüdischen Friedhof Görlitz verursacht. Ein Ahorn ist umgestürzt und hat dabei weitere Bäume und einen Bauzaun in Mitleidenschaft gezogen. Bis zur Beseitigung der Schäden durch eine Fachfirma bleibt der Jüdische Friedhof aus Sicherheitsgründen für den Besucherverkehr geschlossen.“
Promenadenstraße:
Auf der Promenadenstraße sind viele Äste runter gekommen. Quasi zwischen jedem zweiten Baum befindet sich ein Ästehaufen.

Manches hängt auch noch in Dachrinnen.

Sportplatz Rauschwalde:
Am Sportplatz Rauschwalde lag ein Baum. Der sah auch frisch umgefallen aus.

Clara-Zetkin Straße:
Von der Clara Zetkin Straße in Rauschwalde gab es die Meldung, dass ein Baum neben der Kita umgefallen ist. Ein Stromkasten hat dabei Schaden genommen.

Reichertstraße:
Auf der Reichertstraße das selbe Bild, wie auf der Promenadenstraße. Überall Äste.

Hier gab es auch einen Feuerwehreinsatz, da ein Baum Schaden an einem Haus angerichtet hatte.
Dieser hier war es nicht, der war noch kurz vor dem August-Bebel-Platz umgekippt.

Die Liste zeigt nur einen kleinen Ausschnitt von Görlitz, den ich abgeradelt bin.
Die Heftigkeit des Sturms wird dadurch erkennbar.
32 – 39 Liter in 30 Minuten
Es waren 32 Liter in den letzten 12 Stunden, sagte Kachelmann. Also ehern binnen 30 Minuten. Da kam so manches Gulli schwer an seine Grenzen. Mancher hatte im Garten sogar 39 Liter gemessen.

Die Feuerwehr Görlitz hatte zum Glück nichts mit vollgelaufenen Kellern zu tun. Anders war das möglicherweise im Umland. Besondern Reichenbach und Mengelsdorf hatten mit viel Wasser zu kämpfen, dass von den Feldern runtergelaufen war. (Da gabs Videos)
Was kann man machen?
Diese Frage hab ich unserer lieben Feuerwehrchefin gestellt, die mir zu diesem Beitrag Rede und Antwort stand. „Leider nichts, davor kann man sich nicht schützen“, war die Antwort. Das macht es insgesamt nicht einfacher für die Gewittersaison 2026, die gerade erst begonnen hat. Keine ordentlichen Vorwarnungen, keine Verhaltenstipps. Es hilft nur, doch das Wetterradar im Auge zu behalten und sich vernünftig zu verhalten, wenn es los geht.
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