Aufstand in der DDR, Proteste, Arbeitsniederlegungen. Warum? Die DDR war defacto 1953 durch die Politik bereits pleite und hatte eine Ernährungskrise. Aufgefangen werden sollte das Problem mit einer Erhöhung der Arbeitsnorm um nochmals 10%. Das Volk rebellierte. Görlitz kam dabei eine besondere Rolle zu.
DDR-weite Verabredung – ohne Internet und Handy
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich durch die ganze DDR der Aufstand, den man eigentlich Revolution nennen muss – 1953, ohne Internet, ohne Handy wohlgemerkt.
Zwei Demonstrationen und Streik
In Görlitz gab es zwei Demos auf dem Obermarkt. Eine früh, eine Nachmittag. In erheblich vielen Betrieben wurde gestreikt, in Schulen fand kein Unterricht statt. 35.000 Menschen auf der Straße!
Sturz des Systems in Görlitz
Obwohl nicht vorbereitet oder organisiert, wurde das gesamte System in Görlitz gestürzt: OB abgesetzt; Rathaus, Polizei, SED, FDJ, Post besetzt. Das Gefängnis gestürmt und die politisch Inhaftierten befreit. Nachmittags fanden sich Freiwillige als Ansprechpartner für die Bürger und ein neuer OB.
Niederschlagung des Aufstandes
Das alles wehrte kurz. Ab 14 Uhr galt Notstand in der DDR (in Görlitz erst ab 15 Uhr). Panzer rollten vor, die Aufständischen wurden verhaftet, teils mit lebenslanger Haft belegt. 55 Tote zählte man DDR-weit. Empfindliche Strafen drohten bei weiteren Aufständen. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, Görlitzer verhaftet. Über die DDR wurde kurz Kriegsrecht verhangen, die Sowjets übernahmen nochmals das Ruder. Viele DDR Bürger verließen Aufgrund der Ereignisse im Anschluss das Land in Richtung BRD.
Danach: Mehr Staatssicherheit
Die SED/DDR baute ihren Stasiapparat aus, um solche Vorfälle künftig zu verhindert. Defacto war sie aber nach 8 Jahren ihrer Existenz (1953) bereits dadurch am Ende, weil sie sich nur mit Waffengewalt und Sowjethilfe halten konnte und vom Volk abgelehnt wurde.
Desinformation, totschweigen
In den Folgejahren wurde das Märchen erzählt, westliche Spione hätten für die Revolution in der DDR gesorgt – was die genauen Daten jedoch widerlegen. Es wurde verboten, westdeutsche Kalender in die DDR einzuführen, weil darin der 17. Juni vermerkt war. Die Wahrheit verdreht, die Ereignisse totgeschwiegen, damit sie aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwinden. Es lebe die Aufarbeitung der Ereignisse.
Fotos aus Görlitz
Die befinden sich bei Erinnerungskultur.sachsen.de und hier auch nochmal.
Radio Lausitz ist sehr gut darin, den Tag würdig in Erinnerung zu halten. Hier gibt es eine Reihe von Audios aus den Jahren 2026 und 2020.
Jedes Jahr „Geschichtsstunde“ in Görlitz
Alljährlich wird an den 17. Juni und die Geschehnisse in unserer Stadt erinnert.
2026 findet es erneut vor dem Gerichtsgebäude, 11 Uhr statt. Infos.
(Ein Beitrag vom 17. Juni 2022, 266 Likes)
Eure wertvollen Kommentare dazu
„Wikipedia weiß dazu: „In den Kreisen Görlitz und Niesky wurde für wenige Stunden das SED-Regime beseitigt. Aufgrund der besonderen demografischen Struktur dieser Kreise eskalierte die Protestbewegung zu einem politischen Aufstand, der zur kurzzeitigen Entmachtung der lokalen Machthaber führte. Görlitz hatte als Grenzstadt einen hohen Anteil Vertriebener zu integrieren. Die Stadt war nach Berlin und Leipzig das am dichtesten besiedelte Gebiet in der DDR und es herrschte eine vor allem unter Jugendlichen, Frauen und Schwerbehinderten hohe Arbeitslosigkeit, die von einer weit über dem DDR-Durchschnitt liegenden Wohnungsnot begleitet wurde. Zusätzlich wurde das Zusammenleben der Görlitzer durch die Teilung ihrer Stadt und die Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR gegenüber dem „polnischen Brudervolk“ erschwert. Ebenso akzeptierten die meisten Görlitzer die Oder-Neiße-Grenze gemäß dem Vertrag vom 6. Juli 1950 nicht. Die nicht aus der Stadt stammende politische Führung hatte seit 1952 eine radikale Enteignungswelle in Bewegung gesetzt, die zum drastischen Rückgang der Selbstständigen geführt hatte. Ebenso war seit Oktober 1952 die Anzahl der Republikflüchtigen gestiegen.“
„Danke für die Widmung dieses Tages.
Es liegt knapp 70 Jahre zurück und beeindruckt immer noch.
Oder wieder?
Wie war das doch damals, wie war es denn im 1989?
Fast muss man bewusst wegsehen, um Ähnlichkeiten nicht zu bemerken. Jedes Mal ging es um sie Zukunft der Menschen, jedes Mal hat eine Partei oder ein Parteiensystem, welche/s sich aus einer absoluten Minderheit des Volkes zusammensetzt und die Fähigkeit zur Führung eines Landes beansprucht, Bedingungen geschaffen, die die Menschen nicht mehr bereit waren mitzutragen.
Seht euch heute um. Wieviel der derzeit großen, wichtigen und unsere Zukunft bestimmende Fragen werden nach Willen und im Sinne des Volkes getroffen?
Die einen könnten sagen, ich solle nicht schwarz malen, die anderen (und hoffentlich die meisten) betrachten es aber optimistisch.
Denn das, was wir heute vorfinden, darf und wird nicht unsere Zukunft sein.
Es gibt das Wort: Es muss sich viel ändern, damit es bleibt wie es ist.
Eigentlich sind wir es unseren Vorfahren und unserer Leistung vor 33 Jahren schuldig, die Geschichte zum Vorbild zu nehmen und mehr für unsere Zukunft tun.“
„Mein Großvater gehörte zu denjenigen die während dieser Zeit enteignet wurden. Er hat das nie hingenommen und immer seine Meinung dazu geäußert. Sein Schwager war in recht hoher politischer Position und hat vehement verhindert das mein Opa strafrechtliche Konsequenzen dafür tragen musste… Stattdessen wurden ihm konsequent Baumaterialien und Bauarbeiter vorenthalten und sein 4-Seiten Hof zerfiel… Zur Wende 89 war nur noch das Wohnhaus intakt…den Rest hat die Familie Stück für Stück wieder aufgebaut… Ich bewundere meinen Großvater auch über seinen Tod hinaus für seinen Mut sich dem Ganzen tagtäglich gestellt zu haben. Dieses Erbe trage ich gerne in mir weiter“
„Mein Opa hat damals die technischen Möglichkeiten für die Demo ( Lautsprecher, …) geschaffen und bekam 10 Jahre Bautzen plus Enteignung (2 Häuser, 1 Geschäft), meine Mutter wurde exmatrikuliert …“
> „Ich hoffe, dein Großvater oder die Familie wurden danach vom Rechtsstaat BRD entschädigt?“
> „Ja, tatsächlich, aber Zeit ist ja bekanntlich unbezahlbar und nichts war danach wie es vorher war.“
„Wäre jetzt wieder nötig bei der Zukunft die auf uns wartet“
> „die meisten Menschen sind zu faul geworden. Es ist bequemer einfach rum zumäckern als tatsächlich was zu machen ……..leider“
„Wäre wieder notwendig !“
„Wo ist dieser Kampfgeist hin ,warum schlucken die Meisten jetzt alles“
> „Den meisten geht´s noch zu gut. Es muß erst noch ein Stück nach unten gehen. Vielleicht, aber nur vielleicht geht dann ein Ruck durch die Menschen.“
„In Görlitz und Halle wurden die Gefängnisse gestürmt und Gefangene befreit, das war revolutionär.“
„Vor dem Mut und der Bereitschaft für die Gemeinschaft und Freiheit einzutreten kann man nur den allergrößten Respekt zollen“
„Meine Mutter war damals dabei“
„Ich kann mich noch gut erinnern. Es hatte etwas bedrohliches….“
„Das war für uns damals ein„ schwarzer Tag“. Weil für uns nichts dabei heraus kam. Durch die Niederschlagung des Arbeiteraufstandes wurde nur die Zeit der damals Herrschenden verlängert. Und „Mielke“ hatte Grund und Zeit sein Ministeruim der Stasi auszubauen, und zu festigen!!“
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