Todesfälle und Geburten in Görlitz seit 2014

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Seit 2014 verfolge ich die Sterbe- und Geburtenzahlen von Görlitz. Die Sterbezahlen liegen dabei immer höher, wie die Geburtenzahlen. Wären wir eine in sich geschlossene Dorfgemeinschaft (ohne viele Zuzüge/Wegzüge), würde Görlitz kontinuierlich aussterben. Zum Glück gibt es die Zuzüge. Damit hält sich die Einwohnerzahl relativ stabil und kletterte von Januar 2014 von 54.804 auf Juli 2020 auf 56.208.

Die Zahlen 2014
Die meisten Todesfälle gab es im März (76), die wenigsten im Mai (48).
Die meisten Babys kamen im Juli (46), die wenigsten im November (27).

Die Zahlen 2015
Die meisten Todesfälle gab es im Juli (81) , die wenigsten im November (52).
Die meisten Babys kamen im Mai und August (je 44), die wenigsten im Februar (23).

Die Zahlen 2016
Die meisten Todesfälle gab es im März (79), die wenigsten im August (52).
Die meisten Babys kamen im August (51), die wenigsten im Dezember (25).
Hier glich sich im August fast Todesfälle und Geburten aus!!! Was da im November 2014 los war (9 Monate vorher) ist bis heute ungeklärt.

Die Zahlen 2017
Die meisten Todesfälle gab es im März (83), die wenigsten im Juni (50) .
Die meisten Babys kamen im August (47), die wenigsten im Dezember (29).

Die Zahlen 2018
Die meisten Todesfälle gab es im März (102), die wenigsten im November (53).
Die meisten Babys kamen im Februar (48), die wenigsten im Mai (18).
Das war der erste Hunderter bei den Todesfällen und auch die geringste Geburtenzahl in eine Monat seit 2014. Der heiße Sommer hingegen ging offenbar spurlos an den Görlitzern vorbei.

Die Zahlen 2019
Die meisten Todesfälle gab es im Januar (94), die wenigsten im Juni (59).
Die meisten Babys kamen im Januar (40), die wenigsten im November (22).

Die Zahlen 2020
Die meisten Todesfälle gab es (bisher) im Januar und April (je 72), die wenigsten im Mai (57). Die meisten Babys (bisher) kamen im Juli (41), die wenigsten im Januar (22).
Es gibt keinen extremen Anstieg seit März bei den Todesfällen wegen Corona. Weder im Jahr 2020, noch seit 2014. Die Statistik des Landkreises kennt bisher (Stand 29.9.2020) keinen Corona-Toten in Stadt Görlitz, siehe.

Die Top Sterbemonate

Gestorben wird vor allem im Winterhalbjahr des Jahres. Nimmt man aus jedem Jahr die Top 3 Sterbemonate, dann ergibt sich: 2x Dezember, 5x Januar, 4x Februar, 5x März. Die Sommermonate kommen wie folgt vor: 1x April, 2x Mai, 1x Juni, 1x Juli, 1x August und 1x Oktober. Alle Dienstleister, die mit dem Tod zu tun haben, kennen das.

Die Top Geburtsmonate

Bei Geburten verteilen sich die Top 3 Monate von jedem Jahr anders: 2x Januar, 1x Februar, 2x März, 1x April, 2x Mai, 4x Juni, 4x Juli, 4x August, 1x September, 2x Oktober. Hier könnten wir überlegen, was ist denn Juni – Juli – August – September minus 9 Monate? Genau: Die Herbst und Winterzeit (Oktober – Januar), wo es draußen kalt und ungemütlich wird und drinnen kuschlig, sehr kuschelig.

Und was sind Januar – Februar – März – April minus 9 Monate? Genau: Sommer, Sonne, Sonnenschein (Mai – August). Leben, feiern, flirten, unterwegs sein.

Die Familiengründung in Görlitz ließe sich durchaus mit Veranstaltungen, die dem kennenlernen dienen, unterstützen.

Wenn das Leben medial auffällig endet

Gestorben wird immer! Monatlich zwischen 48 – 102 Fälle, jeden Monat seit 2014! Manchmal passiert dies jedoch öffentlich. Dann nämlich, wenn irgendwo im öffentlichen Raum eine Leiche gefunden wird. Über den stillen Tod spricht niemand, der zu Hause, im Altenheim oder im Krankenhaus stattfindet – jeden Monat.

Wenn jedoch ein Verkehrsunfall, ein anderer Unfall, ein Mord, eine Überdosis oder ein Suizid stattfinden, sind die Medien zur Stelle und machen Schicksale zu Storys. Und so gibt es jedes Jahr die medialen Leichen, die gehyped werden. Dabei wird auch gern mal gegen die Grundregel verstoßen, dass spätestens seit Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ über Suizide grundsätzlich nicht berichtet wird – um niemand auf Ideen zu bringen. Und ob es immer so im Sinne der Angehörigen ist, wenn Verstorbene durch die Medien geistern, ist ebenfalls zu bezweifeln. Hier kann man sich distanzieren, denn: Gestorben wird nun mal immer! Ein Fakt, der zum Leben dazugehört, auch wenn er meist traurig ist.

Summenspiele

Seit Januar 2014 – Juli 2020 sind es in Summe 5.322 Todesfälle und 2.735 Geburten. Es sterben also jährlich ca. doppelt so viele, als geboren werden. Würden wir also ab genau JETZT Zuzüge und Wegzüge verbieten, wären wir im Jahr 2032 unter 50.000 Einwohner. Im Jahr 2050 nur noch knapp 40.000 Einwohner. Und 2074 schon nur noch ca. 30.000 Einwohner.

Ganz so gradlinig wirds nicht werden. Tendenziell sterben jährlich mehr Menschen. Waren es 2014 noch 751 Todesfälle, gab es 2015 schon 823. Auch wenn es 2016 mit 779 Todesfällen wieder darunter lag, ging es seit dem stetig bergan: 2017 = 795, 2018 = 875. 2019 dann wieder leicht runter auf 851. In einer Stadt mit vielen ü80zigs darf man wohl leider damit rechnen, dass sich auch künftig dieser Trend fortsetzt.

Und gleichzeitig schwächeln wir ein winziges bisschen, was den Nachwuchs angeht:
2014 waren es noch 440 im Jahr, 2015 = 430, 2016 = 427, 2017 = 428, 2018 = 403, 2019 = 382.

Verwirrende Geburtenzahlen

Jedes Jahr zum Jahreswechsel schwirrt eine irreführende Zahl durch die Medien. Dann nämlich wird die Summe aller Geburten im Klinikum Görlitz veröffentlicht. Die liegt meist um die 600 und sieht rosig aus. Der Summe fehlt die Info, dass es sich dabei nicht um kleine Görlitzer handelt, sondern um Babys aus allen Ortschaften, die “Geburtsort Görlitz” zur Welt kamen. Also aufpassen!

Dem Leben Sinn geben

Die Statistik für Deutschland sagt, Männer haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,2, Frauen von 83,3. Aber auch das sind nur Zahlen. Und zählt wirklich die Länge? Fakt ist, irgendwann ist Schluss – für alle.

Eine Übung:
Nimm dir ein Maßband und schneide vorn die Jahre ab, die du schon geschafft hast. Dann kürze das Maßband am hinteren Ende bei der durchschnittlichen Lebenserwartung (Männer 78, Frauen 83). Und nun betrachte dir das “Schnipsel”, was dir bleibt. Wie willst du es verbringen?

Was Sterbende bedauern

Googelt man, was Sterbende bedauern, so erhält man 5 Antworten:
1. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben”
2. “Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet”
3. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken”
4. “Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten”
5. “Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein”
(Quelle)

Kommt es also auf die Länge an oder doch auf den Inhalt und die Qualität? Was kann durch mich passieren in den Jahren, die ich hier „zu Gast“ bin? Kann ich den Erdball und meine Stadt ein bisschen schöner verlassen, als ich alles vorgefunden habe?

Fragen über Fragen. Um was es wirklich gehen soll – im eigenen, begrenzten Leben – das darf jeder selbst entscheiden…
(Stand: 29.9.2020)


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