Spaziergang von Weinberghaus, Holteistraße, Teufelsbrücke bis Heinzelstraße

Pavillon-Eichendorffstrasse-Goerlitz
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Es sind die kleinen Runden, auf denen es manchmal richtig viel zu entdecken gibt. Diese hier führt durchs Villenviertel. Ein Spaziergang in Bildern…

Bewegung am Weinberghaus

Die letzten Schlagzeilen machte das 1988 geschlossene Ausflugslokal im Januar 2021, wie es darin brannte. Ansonsten ist der Zustand seit Jahren eher trostlos. Kurze Unterbrechung im Dornröschenschlaf ist immer nur der Tag des offenen Denkmals. Nun allerdings gibt es Bewegung im Außenbereich… (121 Likes)

Beim Aufstieg aus dem Volksbad denkt man noch: Oh ja!

Beim näher kommen allerdings: “Oh Gott, oh Gott.”

Aber nun tut sich was im Außenbereich, der auf alten Postkarten und Werbeanzeigen als “staubfreier Garten” gelobt wurde und stets hübsch bestuhlt mit Tischdeckchen war. Eine historische Ansicht hier.

Landschaftlich ist die Gegend traumhaft. Hier die Zufahrtstraße, Blickrichtung Brauerei.
Der Eigentümer verspricht auch künftig freie Sicht ins Isergebirge – wenn denn mal ein Pächter gefunden ist, für dessen Konzept sich eine Sanierung lohnt und der es dann wirtschaftlich bereibt. Wir müssen wohl geduldig sein…

Vielleicht hat das letzte Stündchen eben noch nicht geschlagen für den hübschen Weinbergturm und seine Gastronomie in Bergbauden-Optik.

Adler fährt Mittwoch, Samstag und Sonntag

Im Juli und August wird der Adler, unsere Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn e.V., 3x pro Woche ausgepackt. Die Zeiten sind wie folgt:
Mittwoch: 10.00 – 17.00 Uhr
Samstag: 13.30 – 18.00 Uhr
Sonntag & Feiertag: 10.00 Uhr – 18.00 Uhr
Die Parkeisenbahn fährt um einen Kinderspielplatz mit Kletterwald, Seilbahn, Rutschen und mehr. Auf dem Trocknen muss auch keiner sitzen. Es gibt Brause, Kaffee, Bier, Eis, Wurst und Kuchen an allen drei Tagen. 🥤☕️🍻🍦🌭🍰
Also lasst die Mäuse flitzen und gebt ne Runde Parkeisenbahn aus. 🚂 (119 Likes)

Vorsicht an der Bahnsteigkante! Es erhält Einfahrt der Zug aus Görlitz.

Der Kletterwald auf dem Gelände der Parkeisenbahn.

Da hinten die Schneckenrutsche und das Drehding kennen alle noch aus den Kindertagen in den 70ern und 80ern. Die Rutsche im Vordergrund ist neueren Datums.

Die Postsäule vor der Parkeisenbahn

Eine echte Rätselaufgabe ist diese Postsäule vor der Parkeisenbahn.
Aufgestellt wurde sie 1976 zur Eröffnung der Parkeisenbahn. Darauf allerdings völlig unsinnig erscheinende Entfernungsangaben: 14,1 Meilen nach Dresden? 30,1 Meilen nach Leipzig? Wer hat denn da gesoffen?

Und so reichte ich diese Rätselfrage an einen Parkeisenbahner weiter. Der recherchierte sich einen kleinen Wolf und fand folgendes heraus:

Ein Problem waren immer die Entfernungsangaben. Deswegen wurde 1722 die Kursächsische Postmeile erdacht. 1 Meile sind dabei 2 Wegstunden (mit der Postkutsche). Das entsprach in etwa 9,062 Kilometer. Nimmt man nun also die angegebenen 14,1 Meilen mal die 9,062 Kilometer kommt für Dresden 127,77 km raus – und das ist ja gar nicht so falsch.

Eine US-Meile ist übrigens 1609,344 Meter. Hat also nichts mit einer Postmeile zu tun. Und so versteht man dann auch die Postsäule an der Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn e.V. mit ihren wunderlichen Entfernungsangaben. (130 Likes)

Lost-Place: Die Arnadevilla

Gleich gegenüber der Parkeisenbahn verfällt sie seit Jahren vor sich hin. Sie gehörte dem Lederwaren Fabrikant Arnade, der eine Kofferfabrik im Ostteil der Stadt (Moys) besaß. Von den Nationalsozialisten verfolgt, musste er aus Görlitz fliehen. Das Haus wurde ein Heim für schwer erziehbare Mädchen. Seit längerem steht es leer und zum Verkauf. Es gehört dem Krefelder Unternehmer Agissilaos “Lakis” Kourkoudialos. Das Objekt wird auch “Klein-Moritzburg” genannt wegen seinen vier Ecktürmen. Der Zustand verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. (194 Likes, 11.473 erreichte Personen)

Partie im Schellergrund unterhalb der Martin-Opitz-Straße. (52 Likes)

Lost-Place: Hotel & Restaurant Schellergrund

Ich hab es noch nicht übers Herz gebracht, es schwarz-weiß zu fotografieren. Leer steht es dennoch und zum Verkauf. Die Fenster sind inzwischen ziemlich zugewachsen, im Garten steht das Gras Kniehoch. Von 1994 – Januar 2020 war es Gastronomie und Hotel. (73 Likes)

Eine Görliwood Kulisse ist die Holteistraße 14. Hier drehte Herr von Donnersmarck 2016 Szenen für sein “Werk ohne Autor”. Die Villa stammt von 1923. Letzte bekannte Bewohner war die Familie Tacke, die 2014 wegzogen. (90 Likes)

Die Teufelsbrücke

1905 – 1927 sprach man auf alten Postkarten noch vom “Felsdurchstich der Görlitz-Zittau Bahn am Schützenhaus”. 1910 spricht eine Postkarte erstmals von Teufelsbrücke. 1941 erneut. Alte Postkarten gucken hier. (119 Likes)

Das Brücklein da unten ist übrigens die Zittauer Straße (B99) am Weinberg. Fotografiert ist es von der Teufelsbrücke aus. Die liegt deutlich höher. (96 Likes)

Die Villa Ephraim

Es ist eine der schönsten Jugendstil Villen von Görlitz. Wir gehen mal zusammen auf der Seite Eichendorff Straße rein und kommen Goethestraße wieder raus und ich erzähle von den Ephraims…. (118 Likes)

Vater Lesser Ephraim kam 1852 nach Görlitz und eröffnete Neißstraße 25 eine Eisenwarenhandlung. Sohn Martin Ephraim wurde am 23.03.1860 in Görlitz gebohren. Die Familie war jüdisch….

Martin Ephraim war zu Lebzeiten einer der grössten Mäzene (Spender, Gönner) der Stadt Görlitz. Es saß als Stadtverordneter im Rathaus (Stadtrat) und er war Mitglied der niederschlesischen Handelskammer Görlitz/Breslau. Also auch sehr gut vernetzt mit anderen Handelstreibenden.

1902 verlegt Martin Ephraim sein Geschäft aus der Neißstraße hinter das Schützenhaus an der Zittauer Straße. (Dort, wo heute die Behindertenwerkstatt und der Schrottplatz ist). Am neuen Standort hatte sein Eisenwarengeschäft einen Gleisanschluss.
In dem Haus Zittauer Straße 64 sass einst die Verwaltung der Ephraim Eisenwarenhandlung. (Wo heute betreutes Wohnen vom Pflegedienst Kunze drin ist).
Der Wohnort der Familie war die heutige Herberge in der Goethestraße 17. Es wurde 1909 errichtet.

Am 10.01.1944 Deportation ins Ghetto Theresienstadt. Todesdatum/-Ort: 06.04.1944, Ghetto Theresienstadt.
Das Ende eines reichen Görlitzer Kaufmanns jüdischen Glaubens.

Zu DDR-Zeiten war das Haus Jugendherberge. Heute ist es Ort für Übernachtungen und Feiern. Wenn das Gebäude zum Tag des offenen Denkmals mal öffentlich ist, geht es euch unbedingt mal angucken. https://www.villa-ephraim.eu

Die Pavillions

Im Carreé Eichendorffstraße, Heinzelstraße, Holteistraße finden sich mehrere Pavillions. Sowas stellt sich heute keiner mehr in Garten. Schade eigentlich. In Asien haben Pavillions eine lange Tradition. Dort sind sie meist sakrale Bauten. Nach Europa kam der Trend im Barock und landete da in den Parks und Gärten des Adels, als Nebengebäude eines Schlosses, als Ruheplatz, als Aussichtspunkt oder einfach als gestalterisches Element. Später verbreiteten sie sich in die Gärten des wohlhabenden Bürgertums und wurden dort zu den gleichen Zwecken genutzt. Drei hab ich mal mitgebracht. (In Görlitz stehen noch mehr!). Immer, wenn ich an so einem Ding vorbei komme, denke ich mir: Dort drin würde ich auch Kaffee schlürfen, insidern oder Mädelsnachmittage machen. (123 Likes)

Dieser Pavillion ist insofern besonders, als dass er sich einfach zuordnen lässt. Er stammt nämlich von der Gewerbe- und Handelsausstellung 1905 neben der Ruhmeshalle. Offenbar sorgte das Ausstellungsstück so sehr für Begeisterung, dass es gleich mit auf die Eichendorffstraße ziehen durfte. Hier ein altes Foto.

Von diesen Gewerbe-Ausstellungen sind einige Dinge im Stadtgebiet von Görlitz hängen geblieben. So gehört der Weinbergturm dazu oder auch die Steinfiguren an der KEMA.

Dieses hübsche Pavillion steht Heinzelstraße. Gehört aber zum Haus Holteistraße. Ich hab es noch nicht gefunden auf einer alten Postkarte der Gewerbe-Ausstellung. Aber dort standen viele Pavillions. Falls jemand suchen will, hier.

Und was passiert, wenn man ein Pavillion nicht pflegt? Dann hat es ein Loch im Dach, kaputte Scheiben, wird bekritzelt, die Türen stehen offen und es gammelt vor sich hin. Sieht eher aus, wie ein Bunker.
Es ist das Pavillion der Arnade Villa.


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